Patientensicherheit: Experten fordern Medikationschecks in den Spitälern

Patientensicherheit Schweiz will den systematischen Medikationsabgleich in Spitälern und Kliniken verankern und lanciert dazu eine Charta. 30 Berufsverbände und Fachgesellschaften haben sie schon unterzeichnet.

, 31. Oktober 2017, 14:14
image
  • medikamente
  • spital
  • patientensicherheit
  • pflege
Medikamente tragen in den meisten Fällen entscheidend zur Heilung bei, bergen aber auch Gefahren, etwa wenn sie unsachgemäss verabreicht werden. Laut Patientensicherheit Schweiz sind jährlich allein 20'000 Spitalaufenthalte auf Medikationsfehler oder unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zurückzuführen. 

Risikoreiche Schnittstellen

Je mehr Medikamente jemand braucht, desto schwieriger wird es für das Behandlungsteam, den Überblick zu behalten und Fehler zu vermeiden. Als besonders risikoreich gelten dabei die Schnittstellen in der Behandlung - Übergänge vom Hausarzt zum Spezialisten oder vom Spital in die Rehaklinik.
«Gerade der Spitaleintritt und der Spitalaustritt sind besonders riskante Momente», sagt Liat Fishman, Leiterin des nationalen Progress-Programms, das auf Medikationssicherheit an Schnittstellen zielt. Würden an diesen Übergängen Checks durchgeführt, könnten Fehler in der Verordnung, Dosierung, Verabreichung und Einnahme reduziert werden. 
«Mit diesen Abgleichen erfassen, dokumentieren und kontrollieren Ärzte, Pflegende oder Pharmazeuten die Medikamente eines Patienten systematisch und regelmässig», so Fishman. Matchentscheidend sei, dass die Spital- und Klinikleitungen Medikationschecks unterstützten und genügend Personal dafür bereitstellten. 

Medikationsabgleich soll Standard werden

Um die Sicherheitsmassnahme breiter abzustützen, lanciert Patientensicherheit Schweiz eine Erklärung, die den systematischen Medikationsabgleich im Spital zum Standard erklärt. 
Die Charta wurde von über 30 Organisationen und Fachpersonen unterzeichnet. Dazu gehören unter anderem: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Krankenkassenverbände Curafutura und Santésuisse, die Ärzteverbände FMH und MFE, die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), den Apothekerverband Pharmasuisse, der Berufsverband Pflege (SBK) und die Stiftung Patientenschutz (SPO).

  • Hier gehts zur vollständigen Liste.

Die Charta in Kürze

Commitment der Führung: Die Spitalleitungen und Führungspersonen unterstützen und überprüfen den Medikationsabgleich aktiv und stellen Ressourcen zur Verfügung. 
Interprofessionalität und Zusammenarbeit: Interprofessionelle Zusammenarbeit ist ein integraler Bestandteil des Medikationsabgleichs. Eine konsequente Schulung aller Beteiligten ist unerlässlich. Die Ausgestaltung der Prozesse obliegt den Spitälern. Aber alle Akteure - insbesondere Grundversorger, Apotheken, Spitex, freiberufliche Pflegefachpersonen - müssen den Informationsfluss sicherstellen. 
IT-Strukturen: Die Nutzung des Elektronischen Patientendossiers soll gefördert werden. Die Dokumentationsqualität soll durch adäquate Informationstechnologie sichergestellt werden. 
Sicherheitskultur und Forschung: Das Thema Medikationssicherheit soll verstärkt in die Ausbildung von Studierenden der Medizin, Pharmazie und Pflege einfliessen. Forschungsprojekte und Austausch zum Thema sollen gefördert werden. 

  • Hier gehts zur Charta in voller Länge.

Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Pädiatrie-Chefärzte warnen vor Versorgungsengpass

Auch das Personal in den Kinderkliniken ist stark gefordert: Massiv mehr Notfälle und zunehmender Personalmangel führen zu langen Wartezeiten und Verlegungen.

image

Neue Hausarztpraxis im Spital Emmental

Die Gruppenpraxis Emmental eröffnet eine neue Hausarztpraxis am Spitalstandort Langnau.

image

Pflegemitarbeiterin wehrt sich erfolglos gegen Schichtumteilung

Ein Gesundheitsbetrieb im Kanton Zürich zieht eine Pflegeassistentin von der Nachtwache ab. Sie hat den Fall bis vor das Bundesgericht gezogen.

image

Neues Amt für Christoph A. Binkert

Der Chefarzt am Kantonsspital Winterthur ist neu Präsident der weltweit grössten Gesellschaft für Interventionelle Radiologie.

image

Service on Demand im Gesundheitswesen: einfach cool.

Service on Demand ist einfach, flexibel und innovativ. Anders gesagt, eine Dienstleistung, die nur nach Bedarf zum Einsatz kommt und einen Auftrag digital der richtigen Stelle meldet.

image

So will der Kanton Zug die Pflege stärken

Über die nationale Ausbildungsoffensive hinaus will der Kanton Zug Themen wie Wiedereinsteigerinnen oder verbesserte Anstellungsbedingungen in den Fokus nehmen.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.