Lohndruck im Schweizer Gesundheitswesen

Beim notorischen Personalmangel wirkt es absurd, dennoch: Die Gesundheitsbranche gehört auch dieses Jahr zu den Branchen, wo sich die die Löhne mit am schwächsten entwickeln.

, 30. Oktober 2017, 05:00
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In diese Richtung deutet die Lohnumfrage der UBS: Die Erhebung bei hunderten Unternehmen besagt, dass es für nächstes Jahr insgesamt Lohnerhöhungen von durchschnittlich 0,7 Prozent geben dürfte. Die Inflation wiederum sollte bei 0,6 Prozent landen, so dass insgesamt ein klitzekleine Verbesserung der Gehälter herauskommt. Dies meldet die «NZZ am Sonntag»
Speziell schwache Lohnabschlüsse sagen die UBS-Ökonomen dabei dem Gesundheitswesen voraus: Es dürfte bei durchschnittlich 0,5 Prozent liegen, lautet die Prognose. So dass die durchschnittlichen Beschäftigten nächstes Jahr am Ende – inflationsbereinigt – sogar einen Tick weniger vom Geld haben als dieses Jahr.

Personalnot versus Kostendruck

Die UBS-Daten decken sich mit einer früheren Erhebung des Beratungsunternehmens Know: In dessen «Lohntendenzen»-Studie, für die im August 254 Unternehmen befragt wurden, landete das Gesundheitswesen ebenfalls am Schluss: Das Plus werde hier 0,25 bis 0,5 Prozent betragen, so die Erwartung
Der Hintergrund ist klar: Zwar mangelt es an Personal – doch auf der anderen Seite steht die Gesundheitsbranche unter einem Kostendruck wie wenige Branchen sonst. Anders gesagt: Viele Spitäler und Institutionen sind nur noch knapp rentabel, und dann sollten sie nächstes Jahr auch noch weiter sparen, beispielsweise wegen des Tarmed-Eingriffs. Zugleich machen die Personalkosten im Schnitt fast zwei Drittel der Gesamtkosten aus.
Den Spitälern, Kliniken, Heimen oder Spitexdiensten – so lassen die neuen Prognosen ahnen – bleibt also nichts anderes übrig, als das knappe Fachpersonal durch andere Angebote zu halten und zu gewinnen. «Der Lohn ist zwar eine wichtige Komponente für die Attraktivität, aber bei weitem nicht die einzige. Flexibilität und Weiterbildung sind gerade im Gesundheitswesen sehr wichtig»: So erklärte der Avenir-Suisse-Branchenexperte Jerôme Cosandey hier unlängst, weshalb die Branche im Lohnbereich seit längerem wenig Fortschritte macht.
Kommt hinzu, dass wir es im Gesundheitswesen mit einer eher regulierten oder von Gesamtarbeitsverträgen geprägten Branche zu tun haben – wo flexible individuelle Lohnanpassungen nur schwer möglich sind.
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