Kantonsspital Aarau: Angestellte gegen Lohn-Nullrunde

In einem Flyer werden die Mitarbeiter aufgefordert, beim Aargauer Regierungsrat Protest anzumelden.

, 21. September 2015, 08:20
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Keine Lohnerhöhungen fürs nächste Jahr – die Angestellten des Kantonsspitals Aarau müssen sich auf eine Nullrunde einstellen. Der Entscheid wurde am Freitag bekannt gegeben, und die Direktion erklärte dabei die gescheiterten Lohnverhandlungen mit den Verlusten des Vorjahres – sowie mit der weiterhin ungenügenden finanziellen Situation.
Jetzt nehmen die Personalverbände dazu Stellung. Ein Hauptproblem sichten sie dabei darin, dass das Kantonsspital derzeit allzu sehr unter dem Spardiktat des Kantons stehe. 

Erst zurückgestellt, dann weggenommen

«Zuerst zwang der Regierungsrat das Spital, Geld für eine rückwirkende Preissenkung zurückzustellen: Folge war das grosse Defizit in der Jahresrechnung 2014. Und nun wird die rückwirkende Preissenkung durchgesetzt und dem Spital das zurückgestellte Geld weggenommen. Es bleibt das Loch in der Kasse.»: Dies steht auf einem Flugblatt, mit dem die Angestellten des KSA aufgefordert werden, ihren Protest beim Aargauer Regierungsrat anzumelden. 
Im Hintergrund steht, dass das Kantonsspital Aarau im Vorjahr zwar einen positiven Cashflow erzielte, aber zugleich die Rückstellungen erhöhen musste – womit am Ende doch ein Verlust anfiel. 

«Nicht weil wir schlecht gearbeitet hätten…»

Unklar ist nämlich, ob das Spital nicht noch rückwirkend eine Differenz bei den Fallpauschalen zurückerstatten muss; denn gegen die 2012 erhöhten Pauschalen sind noch Beschwerden der Krankenkassen hängig. 
«Der Kanton hat das KSA gezwungen, Geld für eine rückwirkende Senkung der Fallpauschalen zurückzustellen – dadurch ist ein riesiger Verlust des KSA entstanden», argumentieren die Verbände im Flyier: «Das KSA schreibt also nicht Verlust, weil wir schlecht gearbeitet hätten – nein, Grund ist die erzwungene rückwirkende Preissenkung.»
Hinter der Aktion stehen der Pflegefach-Berufsverband SBK, der Hebammenverband, die Gewerkschaft Syna, der Verband des medizinisch-technischen Personals VMPT, der Assistenz- und Oberärzteverband VSAO sowie der VPOD. 

«Gesundheit hat ihren Preis»

«Den Preis bezahlen wir – und die Patientinnen und Patienten», so die Angestelltenvertretungen. Es sei unmöglich, Lohnverhandlungen zu führen, wenn das KSA rote Zahlen schreibt, weil es den Krankenkassen und dem Kanton wohl bald Geld zurückbezahlen muss.
Nicht nur, dass eine Nullrunde ansteht – gleichzeitig gehe auch der Personal- und Leistungsabbau weiter.  
«Gesundheit hat ihren Preis. Dieser Preis darf nicht gesenkt werden!», so denn die Forderung, welche die Angestellten – möglichst individuell per Karte – an den Regierungsrat übermitteln sollen.
Das Kantonsspital Aarau beschäftigt rund 4'200 Personen.
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