Die GDK - eine One-Man-Show?

Die Gesundheitsdirektoren haben Macht. Das zeigt sich etwa darin, wie sie bisher die Einführung einer einheitlichen Finanzierung (Efas) zu verhindern wussten. Das gilt insbesondere für GDK-Präsident Thomas Heiniger. Was ist eigentlich mit den anderen 15 Männer und 10 Frauen? Ein Nick-Club?

, 24. Juli 2018 um 08:35
image
  • politik
  • gesundheitsdirektoren
Von aussen betrachtet kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) sei eine One-Man-Show – die Show des Thomas Heiniger (FDP). Was der Zürcher Gesundheitsdirektor sagt, das gilt.

Avos statt Efas

Mühe mit dem FDP-Politiker haben jene Kräfte, die sich seit Jahren für Efas einsetzen, für eine einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Es ist der Zürcher Regierungsrat, der ihnen wiederholt und offenbar nicht immer ohne Hochmut klar machte, dass die Kantone und namentlich er von Efas nichts hielten. Die Kantone setzen dagegen auf Avos: ambulant vor stationär. Im Fachjargon auch 13er-Liste genannt.

Weber und Roth: gegen Efas nicht abgeneigt

Innerhalb der GDK soll es aber auch Stimmen geben, die gegen Efas nicht abgeneigt wären. Das gilt etwa für den Baselbieter Thomas Weber oder die Aargauerin Franziska Roth, beide von der SVP. Sie gelten freilich nicht als Schwergewichte.
Bei der früheren Richterin Franziska Roth kommt hinzu, dass ihr im eigenen Kanton ein heftiger Gegenwind entgegenbläst. Die Bilanz nach einem Jahr fiel laut einem Bericht der Aargauer Zeitung ernüchternd aus: Sie habe keine Strategie und sei nicht präsent, wird ihr vorgeworfen. Selbst von Seiten der FDP, die die Kandidatur Roth unterstützte, fehlt es an lobenden Worten.

Maillard und Poggia: Globalbudget

Zweifellos zu den Schwergewichten zählen die Gesundheitsdirektoren aus Genf und der Waadt. Das gilt insbesondere für Pierre-Yves Maillard. Der Waadtländer Sozialdemokrat kandidierte 2011 für den Bundesrat, wo er dem moderaten Alain Berset unterlag. Doch Maillard wie auch sein Genfer Kollege Mauro Poggia vom Mouvement citoyens genevois (MCG) haben ihre eigene Agenda. Sie heisst Globalbudget.

Schnegg: gewichtigt nicht nur in Bern

Auch der Berner SVP-Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg hat Gewicht. Allein schon, weil er den zweitgrössten Kanton vertritt. Bekannt ist, dass er von Efas nichts hält. Am Anreizsystem würde sich dadurch nichts ändern, ist der Bern-Jurassier überzeugt. Wie Heiniger hält er viel von Avos, obwohl er als liberaler Geist gegenüber staatlichen Eingriffen Vorbehalte haben sollte.

Engelberger: Karriere über alles

Dem Stadtbasler Lukas Engelberger, ebenfalls ein einflussreicher Mann, wird ein ausgeprägter Ehrgeiz nachgesagt. Der CVP-Politiker soll sich für die Nachfolge von Thomas Heiniger interessieren, der im Frühling nächsten Jahres nicht zur Wiederwahl antritt.

Hanselmann: im eigenen Kanton angeschlagen

Doch die designierte Nachfolgerin Heinigers ist Heidi Hanselmann. Die Sanktgallerin ist derzeit Vizepräsidentin der GDK. Offen ist, ob die Sozialdemokratin übernächstes Jahr als Regierungsrätin wiedergewählt wird. In der St. Galler Spitallandschaft liegt einiges im Argen. Hanselmann hat dies mit zu verantworten: von 2006 bis 2016 war sie VR-Präsidentin des Spitalverbunds. Ihr Stuhl wackelt.
Noch etwas spricht nicht für Hanselmann als Nachfolgerin Heinigers. Bisher war es üblich, dass auf Deutschschweizer ein Romand folgte und umgekehrt. Maillard war schon mal GDK-Präsident; Mauro Poggia noch nicht.

Rathgeb: präsidiert SwissDRG

Zu den Schwergewichten kann man durchaus auch den Bündner Christian Rathgeb zählen. Der FDP-Politiker ist Präsident von Swiss DRG und daher nicht nur auf den eigenen Kanton fixiert. Allerdings wird Rathgeb im kommenden Jahr als Folge eines Departementwechsels die Finanzen zu übernehmen. 
Nicht wirklich Erbauendes ist über den Thurgauer Jakob Stark (SVP) und dem Luzerner Guido Graf (CVP) zu erfahren. Ihnen wird nachgesagt, nur den eigenen Kanton im Fokus zu haben. Graf war der erste, der im eigenen Kanton Avos einführte.

Waeber-Kalbermatten: will Kontrolle haben

Unter den insgesamt zehn Gesundheitsdirektorinnen hat sich, neben Vizepräsidentin Hanselmann, etwa die Walliserin Esther Waeber-Kalbermatten zu Efas geäussert. Die Sozialdemokratin sagte im Walliser Boten, dass es für sie wichtig sei, nicht nur das System zu ändern, sondern auch Kontrollen zu machen: «Wir wollen aktiv mitreden, so wie wir das auch im stationären Bereich tun können».  
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Es bleibt dabei: Die Krankenkasse bezahlt den Zahnarzt nicht

Der Nationalrat lehnte einen Vorstoss dazu deutlich ab.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

image

Efas: Das Referendum ist am Ziel

Das Volk wird voraussichtlich im September über die neue Gesundheits-Finanzierung abstimmen.

image
Gastbeitrag von Felix Schneuwly

Ein Gruss aus der sozialistischen Planwirtschaft

Unklare Ziele, diffuse Verantwortung, aber viel Bürokratie: Der Qualitätsartikel im KVG ist ein fehlkonstruiertes Monster.

Vom gleichen Autor

image

«Genau: Das Kostenwachstum ist kein Problem»

Für FMH-Präsidentin Yvonne Gilli ist klar: Es braucht Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen. Aber es braucht keine Kostenbremse-Initiative.

image

«Kein Mensch will Rationierungen»

Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.