Implantate: Patientin nach zwölf Jahren schmerzfrei

Es ist eine weltweite Premiere: In der Schmerzklinik Basel konnte eine Patientin mittels «SCS-DTM-Stimulation» der Halswirbel- und der Brustwirbelsäule behandelt werden.

, 18. Mai 2021 um 06:02
image
«Eine lange Geschichte wird endlich gut», schreibt die Schmerzklinik Basel: Im Oktober 2020 wurde einer 42-jährigen chronischen Schmerzpatientin, die auf eine lange Vorgeschichte verschiedener Schmerzbehandlungen über mehr als zwölf Jahre zurückblickt, die weltweit erste sogenannte SCS-DTM – eine Rückenmarks-Stimulation mittels einer neuen Stimulationswellenform – implantiert. 

Optionen waren lange ausgeschöpft

Die Betroffene litt vorwiegend unter Schmerzen im unteren Rücken und im rechten Fuss. Zudem klagte sie über chronische Schmerzen im linken Handgelenk trotz mehrerer operativer Eingriffe. Aufgrund Allergien gegen Schmerzmittel und nach diversen Operationen, welche das gewünschte Resultat nicht erzielten, waren die Behandlungsoptionen ausgeschöpft.
Die Spezialisten der Schmerzklinik Basen behandelten zuerst die vorherrschenden chronischen Schmerzen im unteren Rücken und im Fuss. Dazu wurden zwei 8-Kontakt-SCS-Elektroden implantiert, die den entsprechenden Wirbel stimulierten, was zu einer Schmerzreduktion von mehr als 50 Prozent führte. Die Patientin konnte in der Folge wieder geradeaus gehen, ihre Schlafqualität nahm signifikant zu.

Implantate werden ausgetauscht 

Allerdings berichtete sie über eine stetige Zunahme der Schmerzen in der linken Hand. Nachdem die angepasste Schmerzmedikation keine Verbesserung brachte, versprach eine SCS-Therapie ein besseres Resultat: 
Nach der Neuprogrammierung der SCS-DTM-Stimulation im Brustwirbelbereich konnte die Patientin mit nur einer Elektrode erfolgreich stimuliert werden. Apostolos Chatzikalfas, Facharzt Neurochirugie sowie operative Schmerztherapie und Neuromodulation in der Schmerzklinik Basel, tauschte eine der SCS-Elektroden aus und platzierte eine neue in der Halswirbelsäule.
Am 12. April 2021 wurde erfolgreich eine zweite Elektrode im Nackenbereich platziert. Ein DTM-SCS Stimulationsprotokoll wurde sowohl für die Hals- als auch für die Brustwirbelsäule ausgewählt, mit einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis: Eine signifikante Schmerzreduktion wurde erreicht, gleichzeitig konnte die Patientin ab dem zweiten Tag auf das Tragen einer orthopädischen Handschiene verzichten.

Klinisch nie ausreichend erforscht

Die klinische Wirksamkeit der Rückenmarkstimulation (SCS) ist längst durch zahlreiche Veröffentlichungenbelegt worden. Allerdings wurde die SCS der Halswirbelsäule (HWS) klinisch nicht ausreichend genug erforscht, was laut der Schmerzklinik hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass sich die Platzierung einer SCS-Elektrode in der HWS schwierig gestaltet. 
Seit 2008 stehen unterschiedliche Stimulationswellenformen zur Verfügung, um ein breiteres Spektrum von Patienten mit unterschiedlichen chronischen Schmerzpathologien erfolgreich zu behandeln. 2020 wurde eine neuartige Wellenform namens Differential Target Multiplexed (DTM) SCS entwickelt, was eine Therapie ermöglicht, welche mehr auf die Hüllzellen als auf die Nervenzellen selbst abzielt.
Obwohl noch nicht genügend erforscht, liefere die DTM-SCS-Stimulation vielversprechende Ergebnisse und eine weitere wertvolle Lösung für die erfolgreiche Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen, so die Schmerzklinik. 

Über die Schmerzklinik Basel

Die 1978 gegründete Schmerzklinik Basel spielt dank ihrer Kernkompetenz im Bereich Schmerztherapie und Rheumatologie im Gesundheitssektor der Region Basel eine bedeutende Rolle. Als Listenspital der Kantone Basel-Stadt und Basel-Land hat die Schmerzklinik Basel einen klaren Leistungsauftrag. Rund 30 Ärztinnen und Ärzte sowie rund 70 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich mit einem ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz um Menschen, die unter Schmerzen und Rheumatologischen Erkrankungen leiden.
Als Teil von Swiss Medical Network gehört die Schmerzklinik Basel zur zweitgrössten Privatklinikgruppe der Schweiz. Swiss Medical Network betreibt 22 Kliniken und ambulante Zentren in allen grossen Sprachregionen der Schweiz.
www.schmerzklinik.ch 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Seltene Krankheiten: «Oft spürt die Mutter, dass etwas nicht in Ordnung ist»

Wird dereinst das gesamte Genom des Neugeborenen routinemässig auf Krankheiten untersucht? In manchen Ländern wird das schon getestet, sagt Stoffwechselspezialist Matthias Baumgartner.

image

Schweizer Hoffnung in der Krebsmedizin

Ein neues Medikament gegen das unheilbare Glioblastom schafft Hoffnung: bei manchen Patienten schrumpfte der Tumor um bis zu 90 Prozent.

image

Einseitige Impfung wirksamer? Studie wirft neues Licht auf Impfstrategien

Eine neue Studie kommt zu überraschenden Ergebnissen: Mehrfachimpfungen im selben Arm bieten einen besseren Schutz.

image

Epilepsie: Neue Folsäure-Empfehlung für Schwangere soll Krebsrisiko senken

Die Schweizerische Epilepsie-Liga empfiehlt, die tägliche Folsäure-Dosis von bisher vier bis fünf auf ein bis drei Milligramm zu reduzieren.

image

Brustkrebs-Screening im Alter birgt Risiko von Überdiagnosen

Eine Studie der Yale Medical School zeigt: Bei Frauen ab 70 Jahren, die eine Mammographien erhielten, wurden häufiger gesundheitlich unbedenkliche Tumore diagnostiziert als bei Frauen, die nicht an der Früherkennung teilnahmen.

image

Aargau will Med- und Health-Tech auf neues Niveau heben

Mit einem Projekt setzen das Kantonsspital Baden, die Stadt Baden und der Kanton Aargau neue Impulse für Innovationen in Medizin und Gesundheitstechnologie.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.