Hepatitis C: Forscher fordern früheren Zugriff

In der Debatte um die teuren Hepatitis-Mittel meldet sich nun das Universitätsspital Zürich zu Wort – mit klaren Worten.

, 25. Juni 2015, 14:00
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Die Hepatitis-C-Mittel sind ein Prüfstein der Gesundheitspolitik. Vielen gelten sie als problematischer Schritt hin zur Rationierung der Medizin. Denn Medikamente wie Sovaldi beziehungsweise Harvoni (Gilead) und Exviera (AbbVie) kosten enorme Summen. Das Bundesamt für Gesundheit hat daher entschieden, dass diese Mittel in der obligatorischen Krankenversicherung nur in schweren Fällen eingesetzt werden dürfen – nämlich dort, wo die Leber bereits durch die Hepatitis angegriffen ist und die Patienten eine fortgeschrittene Vernarbung aufweisen.
Kurz: Die Sache ist ein Politikum. Jetzt meldet sich eine Studie aus dem Universitätsspital Zürich hier zu Wort. Die Schweizer Forscher untersuchten die Auswirkungen unterschiedlicher Behandlungsstrategien auf die Mortalität und die Folgekosten von Hepatitis C. 

Sterblichkeit um 90 Prozent tiefer

Studienleiter Beat Müllhaupt vom Schweizer Zentrum für Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege (Swiss HPB-Center) am USZ plädiert nach den Resultaten für eine Abkehr von den konservativen Behandlungs- und Teststrategien – also für ein früheres medikamentöses Eingreifen und die Durchführung von Screenings.
«Mit einer frühzeitigen Hepatitis C-Therapie kann die Sterblichkeit um 90 Prozent gesenkt und die langfristige Entwicklung der Krankheitskosten positiv beeinflusst werden», sagt Beat Müllhaupt in der Mitteilung
Der Grund: Frühe Behandlungen können die schweren Hepatitis-Folgeschäden und die entsprechenden Folgekosten senken. Müllhaupt findet es schade, dass die Preisdiskussion um die neuste Generation der Hepatitis C-Medikamente diese gewünschte Behandlung blockiert: «Ich wünsche mir, dass Politik, Industrie und Krankenkassen Lösungen erarbeiten, die den betroffenen Patienten zu Gute kommen.»
Zur Studie: Beat Müllhaupt, Philip Bruggmann, Florian Bihl et. al., «Modeling the Health and Economic Burden of Hepatitis C Virus in Switzerland», Juni 2015.
Die USZ-Forscher gingen davon aus, dass unter dem herkömmlichen Behandlungsansatz mit bis zu 96,8 Millionen Euro an jährlichen ökonomischen Kosten durch Hepatitis C gerechnet wird – dies bei stetigem Wachstum der Fälle bis 2030. 
Dem stellten sie Szenarien gegenüber, bei denen die Mortalität durch Lebererkrankungen wegen dem HC-Virus durch den frühen Einsatz effizienter Medikamente um 90 Prozent gesenkt werden kann. Dies, so das Team um Beat Müllhaupt, wäre erreichbar durch die medikamentöse Behandlung von knapp 4'200 Patienten bis 2018. 
Die neuste Generation der Mittel gegen Hepatitis C kosten 60'000 bis 120'000 Franken.

Der Hauptharst wurde 1945 bis 1965 geboren

In der Schweiz sind schätzungsweise 80'000 Patienten mit Hepatitis C infiziert, also etwa jede hunderte Person. Zwar nimmt die Zahl der Neuansteckungen stetig ab, weil Bluttransfusionen, Tätowierungen und Akupunkturnadeln hierzulande heute grundsätzlich sicher sind. Zudem sinkt die Zahl der Abhängigen, die sich Drogen intravenös verabreichen, und sie verwenden vermehrt Einwegspritzen.
Die Spätfolgen der Krankheit treten aber erst 20 bis 30 Jahre nach der Ansteckung ein. Da die Zahl der Neuansteckungen 2003 ihren Höhepunkt erreichte, werden Mortalität und Kosten bei schweren Hepatitis C-Fällen bis 2030 zunehmen. Rund 75 Prozent dieser Patienten sind zwischen 1945 und 1965 geboren. 
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