Hat die Schweiz wirklich das beste Gesundheitssystem?

Oft wird vorgebracht, die Eidgenossenschaft habe das beste Gesundheitswesen der Welt. In einer neuen Rangliste erhält die Schweiz aber eher schlechtere Noten bei der Gesundheitsversorgung.

, 19. November 2021, 12:53
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Ein Vergleich der Gesundheitssysteme von verschiedenen Ländern ist auf Grund von unterschiedlichen Rahmenbedingungen immer sehr begrenzt. Trotzdem sind Ranglisten beliebte Mittel, um entweder die Überlegenheit hervorzuheben oder eben halt Defizite einer Nation aufzuzeigen. 
In den meisten Rankings belegt das Schweizer Gesundheitswesen oft Spitzenplätze. Dass dies aber nicht immer so zutrifft, zeigt der soeben erschienene «Wohlstands-Index», durchgeführt von der britischen bekannten und unabhängigen Denkfabrik «Legatum Institute». 

Experten aus der ganzen Welt

Die Rangliste widerspiegelt hauptsächlich das wirtschaftliche und das soziale Wohlergehen von knapp 170 Ländern. Die Bewertung geht weit über traditionelle ökonomische Messungen des Wohlstands einer Nation hinaus.
Gemessen werden knapp 300 Einzelindikatoren aus 65 Politikfeldern und damit eben auch Kriterien der Gesundheitsversorgung eines Landes. Über 100 Forschende und Experten aus der ganzen Welt haben Mengen an Daten aus mehreren Quellen verglichen und bewertet. 

Schweiz nicht in den Top 10

Wie schneidet die Schweiz im Ranking ab? Die Eidgenossenschaft erhält im Bereich Gesundheitswesen eher schlechtere Noten und landet auf Rang 13. 
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Screenshot Legatum Institute

Das sind die besten Länder

Auf Rang 1 liegt Japan vor Singapur, Südkorea und Norwegen. Die hintersten Plätze belegen Länder wie die Zentralafrikanische Republik, Südsudan oder die Republik Tschad. 
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Screenshot Legatum Institute
Folgende Kriterien wurden analysiert und bewertet:
  • 1. Lebensstilmuster, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine Krankheit oder Verletzung zu entwickeln oder einen vorzeitigen Tod zu erleiden: Fettleibigkeit, Rauchen, Substanzmittelmissbrauch. (Gewichtung: 10 Prozent)
  • 2. Prävention, die das Auftreten von Krankheiten und anderen medizinischen Komplikationen verhindert, um Kinder und Erwachsene vor einem frühen Tod zu bewahren: Impfungen gegen Diphtherie, Masern oder Hepatitis, Schwangerschaftsvorsorge, Verhütungsmittel, Screening-Programme. (Gewichtung: 15 Prozent)
  • 3. «Care System», als die Fähigkeit eines Gesundheitssystems, Krankheiten zu behandeln und zu heilen, sobald sie in der Bevölkerung vorhanden sind: Krankenversicherung, Ärzte und Personal, medizinisches Fachpersonal, Tuberkulose-Behandlung, HIV-Therapie, Zufriedenheit mit dem Gesundheitswesen. (Gewichtung: 15 Prozent)
  • 4. Mentale Gesundheit, als das Ausmass und die Belastung der Bevölkerung durch psychische Erkrankungen: emotionales Wohlbefinden, depressive Störungen, Suizid. (Gewichtung: 10 Prozent)
  • 5. Körperliche Gesundheit, als das Ausmass und die Belastung der Bevölkerung durch körperliche Erkrankungen: Schmerzen, Gesundheitsprobleme, übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten, erhöhter Blutdruck. (Gewichtung: 20 Prozent)
  • 6. Lebenserwartung, gemessen als Sterblichkeitsrate der Bevölkerung eines Landes in verschiedenen Lebensphasen: Müttersterblichkeit, Sterblichkeit unter 5 Jahren, Sterblichkeit 5-14 Jahren, 15-60 Jahren Sterblichkeit, Lebenserwartung bei 60 Jahren. (Gewichtung: 30 Prozent)
  • Mehr: «The 15th edition of the Legatum Prosperity Index». The Legatum Institute Foundation.
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