Gesundheitsdaten: Wem die Schweizer Bevölkerung am meisten vertraut

Geht es um die Verwendung von Gesundheitsdaten, ist das Vertrauen in die Spitäler am grössten. Am wenigsten vertraut die Schweizer Bevölkerung den Krankenkassen oder der Pharmaindustrie.

, 4. Juli 2022, 12:22
image
In einer repräsentativen Umfrage wurde die Schweizer Bevölkerung gebeten, ihr Vertrauen in Institutionen einzuschätzen, die anonymisierte Gesundheitsdaten für die medizinische Forschung im Interesse der Patienten verwenden. Das können beispielsweise Daten aus dem elektronischen Patientendossier sein, Daten aus Krankenregister oder patientengenerierte Daten durch mobile Tracker-Geräte. Die im Fachmagazin «Swiss Medical Weekly» publizierte Umfrage wurde vom Forschungsinstitut GFS Zürich im Auftrag der Unternehmung Roche (Pharma) Schweiz durchgeführt.
Das Resultat: Die Allgemeinbevölkerung vertraut mit rund zwei Drittel  den Spitälern und Kliniken sowie den Universitäten am meisten. Hingegen liegt das Vertrauen in Krankenversicherer und in die Pharmaindustrie mit je 19 Prozent am niedrigsten. Das Vertrauen in das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betrug zudem 56 Prozent, wie die Umfrage weiter zeigt.  

Treiber überwiegend altruistischer Natur

Das Vertrauen in eine Institution hängt mit der Bereitschaft zusammen, Gesundheitsdaten zu teilen. Generell würden mehr als zwei Drittel der Schweizer Allgemeinbevölkerung ihre anonymisierten Gesundheitsdaten für die medizinische Forschung weitergeben. Noch höher war diese bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Arthrose, Augenerkrankungen oder chronische Rückenschmerzen. 
Die Treiber waren überwiegend altruistischer Natur, nämlich «dass andere Menschen eine bessere Behandlung bekommen». Hürden betreffen vor allem – wenig überraschend – Datenschutz- und Datensicherheitsbedenken, möglichen Missbrauch oder Benachteiligungen zum Beispiel durch Krankenkassen. Und etwa jeder Dritte konnte keinen Grund gegen die Weitergabe anonymisierter Gesundheitsdaten für die medizinische Forschung nennen.

Offener Dialog für Konsens zur «Data Governance»

Mehr als jeder zweite Befragte möchte darüber hinaus besser über die Verwendung der persönlichen Gesundheitsdaten informiert werden. Für die Aufklärung der Schweizer Bevölkerung ist für mehr als zwei Drittel das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verantwortlich. Nach dem BAG wurden häufig Ärztinnen und Ärzte, Krankenkassen und Spitäler genannt. 
Die Ergebnisse unterstreichen, dass ein besseres Verständnis rund um den Schutz von Gesundheitsdaten und eine transparente Datennutzung wichtig ist, um Vertrauen in der Öffentlichkeit aufzubauen, wie die Studienautoren um Flurina Pletscher von der Firma Roche schreiben. Erforderlich sei ein offener Dialog, um einen gemeinsamen Konsens zur «Data Governance» für die Schweiz zu entwickeln.
Flurina Pletscher, Karin Mändli Lerch, Dominik Glinz: «Willingness to share anonymised routinely collected clinical health data in Switzerland: a cross-sectional survey», in: «Swiss Medical Weekly», 16. Juni 2022
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Ärzteschaft kennt Mehrzahl der Gesundheits-Apps nicht

Ärztinnen und Ärzte fordern Unterstützung bei der Verwendung von digitalen Gesundheitsapplikationen. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage der FMH hervor.

image

Patientendossier: Nun soll die Post es richten

Die Post plant eine Mehrheitsbeteiligung an der Axsana, die in 14 Kantonen unter der Marke Xsana das Elektronische Patientendossier (EPD) anbietet.

image

Bund sucht «Turbozünder» für E-Patientendossier

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Koordinationsstelle eHealth planen eine «Sensibilisierungs-Kampagne» für das elektronische Patientendossier (EPD). Kostendach: 5,1 Millionen Franken.

image

«Das EPD ist defizitär und nicht überlebensfähig»

EPD-Betreiber Axsana muss in der Region Ostschweiz zwei Kündigungen grosser Organisationen hinnehmen. Derweil fordert Geschäftsführer Samuel Eglin ein zentrales EPD.

image

Viele Daten, zu wenig Anwendung – ein Daten-Strategie-Ansatz für Gesundheitsinstitutionen

Zur sinnvollen Nutzung von Datenanalysen und künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen kann eine ins eigene Datenökosystem integrierte Daten-Strategie erfolgsversprechend sein.

image

Geschäftsführer Adrian Schmid verlässt eHealth Suisse

Der Geschäftsführer von eHealth Suisse hat gekündigt. Er wechselt auf Anfang November zu einem Beratungsunternehmen.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.