ETH Zürich: Medizinische Erfindungen im Markttest

An der ETH Zürich gab es vergangenes Jahr eine rekordhohe Zahl von Spin-offs. Darunter befinden sich vielversprechende Innovationen aus der Medizintechnik, etwa ein neues magnetisches Verfahren zur Blutreinigung oder ein Rollstuhl, der Treppen steigt.

, 9. Januar 2018, 07:37
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Wissenschaftler der ETH Zürich beweisen nicht nur Forschungsdrang, sondern auch Unternehmergeist: Vergangenes Jahr wurden 25 Spin-offs gegründet, womit der Rekord des Vorjahrs egalisiert wurde. Die meisten Ausgründungen sind in den digitalen Technologien und Datenwissenschaften angesiedelt. Gut vertreten sind auch Firmen mit einem Bezug zur Medizintechnik, zu Digital Health-Lösungen oder an der Schnittstelle von Biotech, Pharma und Kommunikationstechnologie. Hier sind sie:

Gratxray: Krebs erkennen mit 3D-Bildern

Je früher Krebs erkannt wird, desto grösser sind die Heilungschancen. Einen neuerlichen Zeitgewinn verspricht die Firma Gratxray mit Sitz in Villigen (AG). Sie entwickelt ein nach eigenen Angaben «weltweit einzigartiges», auf Phasenkontrast basierendes Computertomographiegerät, das eine schmerzfreie, hochpräzise dreidimensionale Bildgebung ermöglicht. Damit können Tumore früher erkannt und Fehldiagnosen reduziert werden. Das Start-up, das von der «Renaissance der Röntgenverfahren» spricht, kam schon bei einigen Jungunternehmerwettbewerben in die vorderen Ränge. 

Hemotune: Magnetische Blutreinigung

Blutvergiftungen führen weltweit in sechs Millionen Fällen zum Tod. Die Firma Hemotune hat ein laut Eigenwerbung neuartiges und effizientes Verfahren entwickelt, um Blut zu reinigen. Es ermöglicht, grössere Biomoleküle wie Bakterien oder Antikörper direkt aus dem Blut zu entfernen. Das Verfahren basiert auf magnetischen Nanopartikeln, welche an die schädlichen Stoffe andocken und diese binden. Die Nanomagnete bleiben ausserhalb des Körpers des Patienten. Das Start-up gehört heute zum Wyss Translational Center Zürich von des Medizintechnikpioniers Hansjörg Wyss und hat unter anderem den Wettbewerb «Venture Kick» gewonnen. 

Myoswiss: Neue Gehhilfe

Alltägliche Bewegungen wie das Aufstehen von einem Stuhl oder das Treppensteigen können für ältere Menschen oder solche mit Muskelschwäche äusserst anstrengend sein. Die Firma Myoswiss kombiniert Robotertechnologie und funktionelle Bekleidung, um die Mobilität dieser Menschen zu verbessern und zu fördern. Sie wurde von der Textildesignerin Katja Stähli und dem ETH-Ingenieur Jaime Duarte gegründet. Die beiden haben eine spezielle Hose entwickelt, die älteren und muskelschwachen Menschen eine Art Gehhilfe bietet. Ihr Name: «MyoSuit». 

Pathmate: Digitaler Therapeut

Die Firma Pathmate mit Sitz in Mannheim und Zürich hat eine Softwareplattform entwickelt, die Ärzten und Therapeuten ermöglicht, über eine App den Kontakt mit den Patienten aufrechtzuerhalten und die Therapie laufend zu überwachen und zu optimieren. Die App versteht sich als digitaler Coach für die Patienten und als Instrument, mit dem die Patienten aufgrund ihrer Daten den Therapieerfolg messen können. Die Gründer sind überzeugt, dass in Zukunft die Standardbehandlungen in Spitälern oder Arztpraxen ergänzt werden durch digitale Therapien. Ihre Entwicklung entstand am Center for Digital Health Interventions der ETH Zürich und der Universität St. Gallen. 

Scewo: Hightech-Rollstuhl

Die Gründer von Scewo - Studenten der ETH Zürich und der Kunsthochschule ZHDK - haben sich zum Ziel gesetzt, den Rollstuhl des 21. Jahrhunderts zu bauen. Er vereint neue Technologien mit einem ansprechenden Design und kann dank integrierter Gummiraupen problemlos Treppen und Stufen überwinden. Ein Prototyp existiert bereits und wurde vergangenen Sonntag im Landesmuseum getestet. Gesteuert wird der Rollstuhl mit einem Joystick und einer Handy-App. Der Verkauf soll voraussichtlich Ende 2019 anrollen. 

Video zum Rollstuhl

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