Das Elektronische Patientendossier wird für alle kommen

Es herrscht breiter Konsens, dass bei der kommenden Revision der Gesetzgebung Elektronisches Patientendossier die Pflicht für ein Dossier eingeführt wird.

, 6. Oktober 2022 um 13:03
image
Maksym Kaharlytskyi | Unsplash
«Die Schweiz hinkt in den Bereichen E-Government und Gesundheit punkto Digitalisierung brutal hinterher», sagte Nicole Burth, Leiterin Kommunikations-Services und Mitglied der Post-Konzernleitung, im Rahmen eines Medien-Rountable, und referenzierte dabei auf die neuste IMD-Studie.
Die Post ist gewillt, das zu ändern, und hat insbesondere im Bereich E-Health viel vor. Nicht nur sei die Übernahme von Axsana, einer von sieben Betreibern des elektronischen Patientendossiers (EPD), abgeschlossen, auch die Migration der Axsana-Plattform auf jene der Post sei vollzogen, sagte Burth. «800 Dossiers sind erfolgreich migriert worden.»

Post wird zur zentralen EPD-Plattform

Durch die abgeschlossene Übernahme seien nun sechs von sieben Stammgemeinschaften auf der technischen Plattform der Post. Einzig die Stammgemeinschaft Abilis der Apotheken hat ein eigenes System, jenes ist aber interoperabel mit der Postplattform. Das gilt auch für die dritte Plattform, AD Swiss, die aber laut Burth noch nicht «live» sei, schreibt das Magazin «Inside-IT».
image
Nicole Burth
Live ist dafür Cuore, eine Plattform der Post für den elektronischen Dateiaustausch zwischen Leistungserbringern. Statt Patientinnen und Patienten einen Ausdruck mit dem Befund mitzugeben oder diesen per Brief an die Spezialistin zu schicken, sollen Daten dieser Art künftig digital ausgetauscht werden. Eine ähnliche Plattform, Healthlink von Axsana, gehört nun durch die Übernahme auch zur Post. «Die besten Features werden wir übernehmen und in Cuore integrieren», sagte Nicole Burth. Eine weiteres, vergleichbares Angebot ist die B2B-Plattform der Stammgemeinschaft eSanita, welche aber technisch auf Cuore basiere und laut Burth demnächst auf die neuste Version gehoben werden soll. Letztlich soll es auch diese Kommunikationsplattform sein, mit der die Post Geld verdienen will. «Die Infrastruktur soll nicht primär Umsatz generieren», die zählt gewissermassen zum Service Public.

Digitaler Onbaording-Prozess kommt 2023

Dass es möglichst bald mehr als wenige 100 EPDs werden, bleibt auch für die Post eine Herausforderung. «Wir sind daran, einen vollständig digitalen Onboardingprozess zu etablieren», sagte Nicole Burth. Es soll ab Dezember möglich sein, in einem durchgehenden Prozess sowohl eine SwissID zu lösen, als auch ein EPD zu eröffnen.
Die «strikten gesetzlichen Vorgaben» seien zwar mühsam, aber man ist optimistisch, das digital bestellbare Patientendossier zusammen mit den Kantonen und dem Bundesamt für Gesundheit im ersten Quartal 2023 zu promoten. Dabei sollen aber jene Menschen nicht vergessen gehen, die die digitale Welt noch nicht beherrschen. Aber noch "gibt es keine Lösung für Menschen, die nicht alles alleine können". Ziel sei, dass beispielsweise Postmitarbeitende helfen, ein EPD zu eröffnen. Aber «die Finanzierung ist ungeklärt».

Doppelte Freiwilligkeit wird fallen

Im Rahmen der anstehenden Revision der Gesetzgebung Elektronisches Patientendossier (EPDG) will die Post eine aktive Rolle einnehmen, wie Burth sagte. Interessant waren die Aussagen, dass «weitestgehend Konsens herrscht», dass die doppelte Freiwilligkeit fallen muss. Gemeint ist damit, dass das Mitmachen beim EPD bisher für Hausarztpraxen und alle Patientinnen und Patienten freiwillig war. Wird diese mit dem Gesetz abgeschafft, gilt nicht nur eine EPD-Pflicht für alle Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für alle Player im Gesundheitswesen – und dies auf einer quasi-zentralen Plattform. Etwas ganz anderes, als bei der Lancierung des elektronischen Patientendossiers zunächst versprochen worden ist.
«Wenn dezentral etwas schlecht geschützt ist, nützt es auch nicht viel», sagte Burth zum letzten Punkt. Und man habe damals etwas versprochen, was man ohnehin nicht halten konnte. Burth sieht die Post gut aufgestellt im Bereich Cybersecurity. Man beschäftige im Konzern 110 Spezialisten, «und keine Projektleiter», sich täglich mit Cyberdefense beschäftigen. Ausserdem würde auch im Bereich E-Health mit Bug-Bounty-Programmen gearbeitet.
Darüber hinaus herrsche ein Konsens, dass man in den EPDs mit strukturierten Daten, statt wie bisher mit PDF-Dateien arbeiten müsse. Ob Burth im Rahmen der Revision auf ein Referendum hoffe, um den Entscheid der EPD-Pflicht analog zum Transplantationsgesetz demokratisch von den Bürgerinnen und Bürgern legitimiert haben will, sagte sie klar: «Nein.» Die Legitimierung durchs Parlament genüge. «Ein Referendum wäre nicht meine Idealvorstellung.»
  • politik
  • wirtschaft
  • e-health
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

image

Efas: Das Referendum ist am Ziel

Das Volk wird voraussichtlich im September über die neue Gesundheits-Finanzierung abstimmen.

image
Gastbeitrag von Felix Schneuwly

Ein Gruss aus der sozialistischen Planwirtschaft

Unklare Ziele, diffuse Verantwortung, aber viel Bürokratie: Der Qualitätsartikel im KVG ist ein fehlkonstruiertes Monster.

image

«Professionelle Dolmetschdienste sind übertrieben»

Der Nationalrat will nichts wissen von einer einheitlichen Vergütungspflicht für Dolmetscherdienste im Gesundheitsbereich. Auch dank Digitalisierung und KI sei dies nicht nötig.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.