Diese Krebsforscherin erhält 800'000-Franken-Award

Elisabeth Artemis Kappos vom Universitätsspital Basel hat die Jury der Stiftung Krebsforschung Schweiz mit ihren neuen Ansätzen in der Brustkrebstherapie überzeugt.

, 21. Juni 2022, 12:32
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Die Stiftung Krebsforschung Schweiz hat anlässlich ihres Jubiläums einen Jubilee Award in der Höhe von insgesamt 800'000 Franken vergeben. Für den Award in Frage kamen patientenzentrierte Forschungsprojekte, bei denen Patientinnen und Patienten die Forschung aktiv mitgestalten und ihre Erfahrung in das Forschungsdesign einbringen konnten. 
Den Award in Empfang nehmen durfte Elisabeth Artemis Kappos vom Universitätsspital Basel. Sie hat die Jury mit ihrem Forschungsprojekt zu neuen Behandlungsansätzen des Lymphödems nach Brustkrebstherapie überzeugt.
Das Besondere an diesem mit 800'000 Franken dotierten Award erklärt die Stiftung Krebsforschung Schweiz wie folgt: 
Die eingereichten Projekte mussten sogenannte «patient-directed clinical trials» sein. Bei dieser Art von klinischer Forschung sind Krebsbetroffene in allen Phasen der Studie involviert, angefangen beim Design, über die Durchführung bis zur Kommunikation der Ergebnisse. Das Ziel solcher patientenzentrierter Studien ist es, die Forschungsfragen relevanter zu gestalten und stärker auf die Krebsbetroffenen auszurichten. Forschung mit Patientinnen und Patienten statt Forschung über sie, heisst der Leitsatz.

Bessere Lebensqualität  

Das Forschungsprojekt von Kappos, rekonstruktive Chirurgin am Universtitätsspital Basel, überzeugte, weil die Behandlung von brustkrebsbedingten Lymphödemen damit verbessert werden soll. 
Lymphödeme sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe.  Weltweit leiden rund 250 Millionen Menschen daran. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die wegen einer Brustkrebserkrankung an den Lymphknoten operiert oder bestrahlt werden mussten. Abhängig von der durchgeführten Krebstherapie entwickeln bis zu einem Viertel von ihnen ein Lymphödem.
Die betroffenen Frauen leiden manchmal noch Jahre nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung unter schmerzhaften Schwellungen und stark eingeschränkter Lebensqualität. 
Zwar können aktuell verfügbare Methoden wie die lymphologische Physiotherapie eine Linderung bringen, sie wirken aber rein symptomatisch und sind für Betroffene aufwändig: Hautpflege, manuelle Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Selbstmanagement.

Mikrochirurgische Behandlung im Zentrum

Mit der geförderten Studie will das internationale Forschungsteam um Elisabeth Artemis Kappos zeigen, dass die mikrochirurgische Behandlung eine nachhaltige Lösung zur Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Frauen sein kann. 
Dabei können durch die Therapie beeinträchtigte Lymphgefässe durch den Anschluss an nahegelegene Venen «entlastet» werden, oder entfernte Lymphknotenpakete verpflanzt werden, um einen besseren Abtransport der Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe zu ermöglichen. Eingebettet ist die Studie ins «Oncoplastic Breast Consortium», eine internationale Gruppierung von Spezialisten und Patientinnenvertreterinnen, die seit der Gründung durch Professor W.P. Weber 2017 gemeinsam Forschungsschwerpunkte im Bereich der Brustkrebstherapie identifiziert und entsprechende Projekte umsetzt.
«Patientinnen, die unter einem chronischen Lymphödem leiden, haben aufgrund des Mangels an aussagekräftigen Studien heute noch keinen breiten Zugang zu solchen innovativen Behandlungsmethoden», wird Elisabeth Kappos in der Medienmitteilung der Stiftung zitiert. Das sei inakzeptabel, denn die betroffenen Frauen würden sehr leiden. «Mit unserer Studie wollen wir eine solide wissenschaftliche Grundlage schaffen und aufzeigen, dass eine mikrochirurgische Behandlung wirksam ist, die Lebensqualität der Betroffenen verbessert und auch in Sachen Kosteneffizienz oft besser abschneidet als die rein konservative Therapie.» 
Die Studie wird in Kooperation mit multiplen Zentren aus dem In- und Ausland durchgeführt. Im Unispital Basel massgeblich beteiligt sind neben der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Aesthetische Chirurgie das Brustzentrum, das Departement Klinische Forschung, aber auch die Klinik für Angiologie, sowie eine starke Gruppe von Patientinnenvertreterinnen.
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