Telemedizin-Anbieter soll verboten werden

In der Schweiz steht «Dr. Ed» erst am Anfang. Ganz anders in Deutschland: Dort wollen die Behörden dem seit Jahren aktiven Online-Arzt verbieten, Rezepte auszustellen. Auch in Österreich wird vor den Internetsprechstunden gewarnt.

, 2. August 2016, 12:25
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Seit 2012 bietet das britische Unternehmen DrEd digitale Sprechstunden in Grossbritannien, Irland, Deutschland und Österreich sowie  auch in der Schweiz an. Hinzu kommt demnächst Frankreich.   
Noch ist die Schweiz für dred.com aber ein Nebenmarkt: Hier loggen sich etwa 15 bis 40 Patienten pro Tag ein – verglichen mit täglich über 1’000 aus Ländern wie Deutschland, Österreich oder Grossbritannien. 
In der Schweiz wittert der Online-Arzt allerdings Wachstumschancen, wie Medinside vor kurzem berichtete. Offenbar beschäftigt DrEd in London bereits einen Arzt mit Schweizer Zulassung. 

Gesetzesänderung bis Herbst

Doch in Deutschland weht dem Unternehmen derzeit ein rauher Wind entgegen: Dort wollen Regierung und Bundesärztekammer die Online-Sprechstunden nun verbieten. Knapp 100’000 Rezepte stellt DrEd deutschen Kunden im Jahr aus. 
Es sei zu unsicher, Patienten rezeptpflichtige Arzneimittel zu verschreiben, ohne sie jemals zu Gesicht bekommen zu haben, so die Meinung des deutschen Gesundheitsministeriums. 
Offenbar feilt man an einer Änderung des deutschen Arzneimittelgesetzes, die festlegen soll, dass künftig ein «direkter Kontakt» mit einem Arzt notwendig ist, um ein gültiges Rezept zu erhalten. Im Herbst soll der Entwurf fertig sein.

«Internetarzt hat darüber keinerlei Kontrolle»

In Österreich sind die Behörden nicht so weit. Zwar warnen auch dort Gesundheitsexperten vor der digitalen Sprechstunde, doch es sei keine Gesetzesänderung geplant, schreibt das Nachrichtenmagazin «Profil»
Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen in Wien warnt hingegen gegenüber dem Portal ausdrücklich vor den Internetsprechstunden: «Manche Verhütungspillen, wie zum Beispiel Yasmin, sind für Frauen mit Übergewicht oft nicht geeignet. Viele Mädchen und Frauen wollen sie jedoch haben, weil sie den Ruf hat, das Gewicht zu reduzieren. Ein Frauenarzt untersucht die Patientin persönlich auf Risikofaktoren, der Internetarzt hat darüber keinerlei Kontrolle». 

So funktioniert der Online-Doktor

Bei Dr. Ed bekommen Patienten ohne Termin online Zugang zu ärztlicher Beratung, was primär übers Ausfüllen von Fragebögen geschieht. Neben Bluthochdruck, Blasenentzündung, Asthma und erhöhtem Cholesterinspiegel behandeln die Online-Ärzte auch Erektionsstörungen, vorzeitigen Samenerguss, Haarausfall sowie Geschlechtskrankheiten und verschreiben Malaria-Prophylaxe. Zudem können Frauen Rezepte für die Verhütungspille bestellen.
Der Ablauf der virtuellen Sprechstunde, die durchschnittlich sechs Minuten dauert: 1. Medikament anfordern (Fragebogen ausfüllen), 2. Arzt stellt Rezept aus, 3. Expressversand. Zwischen 9 und 19 Euro kostet die Ausstellung eines Rezepts. Dabei können sich die hiesigen Patienten die Medikamente direkt aus Apotheken in Deutschland zusenden lassen. 
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