Branchenverband sieht Patientenversorgung gefährdet

Swiss Medtech bemängelt die «hausgemachten» Import-Hürden bei Medizinprodukten. Die Branchenvereinigung der Schweizer Medizintechnik-Industrie fordert nun erneut dringend Änderungen.

, 19. Oktober 2021, 06:00
image
  • swiss medtech
  • wirtschaft
  • medizinprodukte
Knapp ein halbes Jahr nach dem Ende des Rahmenabkommens mit der Europäischen Union zieht die Schweizer Medtech-Branche eine Zwischenbilanz. Die Schweiz hat seit der Rückstufung den Status eines Drittstaates, was die Medizintechnik-Industrie vor akute Probleme stellt. Darin sind sich Branchenvertreter einig.
Zwar hat sich die Schweizer Medtech-Industrie beim Export mit der neuen Regelung arrangiert, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt. Hier sei die Branche «den Umständen entsprechend» gut aufgestellt. Die Unternehmen konnten sich darauf vorbereiten, die Zusatzanforderungen für den lückenlosen Export ihrer Ware in die EU zu erfüllen. Die Europäische Union ist der wichtigste Handelspartner. 

Import-Hürden seien hausgemacht

Beim Import hingegen sei die Situation «alarmierend», so der Verband der Schweizer Medizintechnik-Industrie. Mit der neuen Medizinprodukte-Verordnung habe der Bundesrat hohe Import-Hürden für ausländische Hersteller aufgestellt. Damit schade die Schweiz nicht nur der heimischen Medtech-Industrie, sondern gefährde die Gesundheitsversorgung ihrer eigenen Bevölkerung.
Branchenumfragen zeigten, dass jedes achte der heute in der Schweiz verwendeten Medizinprodukte künftig nicht mehr verfügbar sein werde, schreibt Swiss Medtech. Der Grund: Nicht alle ausländischen Hersteller seien bereit, zusätzliche Anforderungen einzig und allein für den kleinen Absatzmarkt Schweiz zu erfüllen.
image
Wenige Anpassungen könnten das Versorgungsproblem lösen, ist Daniel Delfosse überzeugt. | Swiss Medtech
«Zurzeit sind uns Einzelbeispiele von Lieferstopps bekannt. Ab zweite Hälfte nächsten Jahres wird es breit spürbare Versorgungslücken geben», sagt Daniel Delfosse, Leiter für Regulierungsfragen von Swiss Medtech. Zwar habe die Schweiz den Schlüssel zum freien gegenseitigen Warenhandeln nicht allein in der Hand. Es sei aber umso wichtiger, dass der Bundesrat die Regeln des Imports «zum Wohle der Schweiz» treffe. Das sei heute etwa mit den Anforderungen an die Etikettierung und an die Produkte-Dokumentation nicht der Fall. 

Bundesrat könne Import-Regeln einseitig festlegen

Die Vorlage des Bundesrates funktioniere in der Realität nicht, steht in der Mitteilung weiter zu lesen. Der Branchenverband fordert deshalb eine dringende Änderung. «Mit ein paar wenigen Anpassungen der Verordnung könnte das sich anbahnende Versorgungsproblem massiv entschärft werden», ist Delfosse überzeugt. Die Schweizer Regierung habe das allein in der Hand.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Verband die Inkraftsetzung der nationalen Medizinprodukte-Verordnung kritisiert. Bereits im Frühling dieses Jahres hat die Branchenvereinigung zusammen mit anderen Gesundheitsakteuren in einem offenen Brief an den Bundesrat auf die alarmierende Situation aufmerksam gemacht. Swiss Medtech will sich weiter dafür einsetzen, «dass die Beziehung der Schweiz mit der EU auf eine solide und dauerhafte Grundlage gestellt wird».
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Medizinprodukte: Droht ein Versorgungsengpass? Wie können Leistungserbringer sich davor schützen?

In diesem Q&A erläutern Streichenberg Rechtsanwälte die Hintergründe des drohenden Versorgungsengpasses und wie Spitäler und andere medizinische Leistungserbringer vorgehen müssen, um die Bestimmung über den Direktimport praktisch umzusetzen.

image

Grosse Kooperation zwischen Roche und der Zur Rose-Gruppe

Die Versandapotheke Zur Rose und der Pharma-Konzern Roche arbeiten künftig zusammen. Sie wollen bei der Behandlung von Menschen mit Diabetes neue Wege gehen.

image

Walter Hess zum neuen CEO der Zur Rose-Gruppe ernannt

Bei der E-Commerce-Apotheke Zur Rose kommt es zu personellen Veränderungen: Unter anderem tritt Walter Hess die Nachfolge von Walter Oberhänsli an.

image

Swiss Medical Network übernimmt Xundheitszentren

Nach einer vertieften Zusammenarbeit übernimmt Swiss Medical Network die elf «Xundheitszentren», welche bislang der Ärztekassen gehörten.

image

Neuer Mann auf dem Chefposten von Pharmafirma

Das Pharma-Unternehmen Bristol Myers Squibb hat einen neuen General Manager fürs Schweizer und österreichische Geschäft: Michael Lugez ersetzt Remo Gujer.

image

Stehen die Schweizer Vista-Kliniken vor einem Eigentümerwechsel?

Die internationale Augenklinik-Kette Veonet soll zum Verkauf stehen. Dem Netzwerk angegliedert ist auch die Schweizer Vista Gruppe. Das Unternehmen schweigt.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.