Berner Babys bleiben von viraler Meningitis verschont

Berner Forscher haben eine interessante Entdeckung gemacht: Während der Pandemie gab es keinen einzigen Fall einer viralen Meningitis bei Säuglingen.

, 14. April 2021 um 09:57
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Solche Nachrichten liest man derzeit gerne: Ein Forschungsteam des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern publiziert eine überraschende Entdeckung: Während der Covid-19-Pandemie gab es im Versorgungsgebiet des Universitätsspitals keinen einzigen Fall einer enteroviralen Hirnhautentzündung bei Säuglingen (bis 1 Jahr). 

Werte aus den Vorjahren

Enterovirale Hirnhautentzündungen bei Säuglingen und Kindern werden hauptsächlich fäkal-oral übertragen. Wie dem Communiqué zu entnehmen ist, werden schweizweit schätzungsweise jährlich mehrere hundert Fälle verzeichnet. Das Berner Universitätsspital betreue als Zentrum ein Einzugsgebiet von 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Aufgrund der Werte aus den Jahren 2010-2019 seien für 2020 gut 20 Säuglinge (0-1 Jahre) mit einer enteroviralen Hirnhautentzündung zu erwarten.

Virale Meningitis: Kein einziger Säugling positiv

Zur Überraschung der Forschenden wurde im Pandemiejahr 2020 kein einziger positiver Befund bei einem Säugling ermittelt. Auch bei Kindern im Alter von 1 bis 16 Jahren wurde ein drastischer Rückgang verzeichnet. «Es ist anzunehmen, dass die Pandemiemassnahmen für diesen Effekt verantwortlich sind. Dies erstaunt umso mehr, als während des Sommers die Mehrzahl der Pandemiemassnahmen zurückgefahren oder aufgehoben worden waren», so die Spezialisten.

So hat sich die Pandemie ausgewirkt

Dass Pandemiemassnahmen zur Einschränkung von Sars-CoV-2 auch Auswirkungen auf das Auftreten anderer viraler Atemwegserkrankungen haben, war bekannt. Die bisher bekannten positiven Auswirkungen bezogen sich vorwiegend auf Viren, die über die Atemluft via Tröpfcheninfektion übertragen werden: «Das vollständige Ausbleiben von enteroviralen Hirnhautentzündungen bei Säuglingen weist nun darauf hin, dass auch Viren, die normalerweise fäkal-oral übertragen werden, mit den Pandemiemassnahmen an der Ausbreitung gehindert werden», erläutert Erstautorin Larissa Stoffel.
Besonders interessant sei dabei der Umstand, dass während des Sommers nur zwei Massnahmen durchwegs aufrechterhalten wurden: Die Händehygiene und das Social Distancing. Dagegen waren die Kinderhorte ebenso wie die Schulen geöffnet.

Blick in die Zukunft

«Bereits heute können wir aber festhalten», betont Professor Christoph Aebi, «dass die einfachen Pandemiemassnahmen das Auftreten von enteroviraler Hirnhautentzündung bei Kindern drastisch einschränken können. Sie sind deshalb als langfristige Präventionsmassnahmen zur Eindämmung von viralen Hirnhautentzündungen bei Kindern genauer zu studieren.» 
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