Bern: Für das Geburtshaus Luna geht es doch noch weiter

Das Berner Gesundheitsamt hat dem Geburtshaus Luna in Ostermundigen wieder die Betriebsbewilligung erteilt. Die Mitarbeitenden können aufatmen – jedenfalls vorerst.

, 19. Januar 2022, 12:34
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Es stand nicht gut um das Geburtshaus Luna in Ostermundigen. Anfang Monat drohte der Institution noch per sofort das Aus – 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären davon betroffen gewesen.
Der Grund: Das Geburtshaus konnte keinen Kooperationsvertrag mehr vorweisen, der garantiert, dass im Notfall eine Ärztin oder ein Arzt in 15 Minuten vor Ort ist – das Berner Gesundheitsamt hat dem Geburtshaus deshalb die Betriebsbewilligung entzogen.

Übergangslösung wurde gefunden

Vorerst können die Verantwortlichen des Geburtshauses sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch erleichtert sein. Denn wie die Berner Gesundheitsdirektion gestern mitteilte, hat sie dem Geburtshaus Luna wieder die Betriebsbewilligung erteilt. Wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist, haben die Verantwortlichen des Geburtshauses und die Sanitätspolizei Bern wieder einen Vertrag unterschrieben – dieser ist allerdings bis Ende 2022 befristet.
Wie in der Mitteilung weiter steht, begrüsst das Gesundheitsamt, «dass mit dieser Übergangslösung das Angebot im Geburtshaus Luna wieder vollumfänglich angeboten werden kann». Es weist jedoch darauf hin, dass bereits im April 2021 eine Lösung hätte umgesetzt werden können, die damals aber vom Geburtshaus nicht weiterverfolgt worden sei. Weitere Details werden nicht genannt.

Die Vorgeschichte

Da in einem Geburtshaus die Kinder ohne ärztliche Hilfe zur Welt kommen, wurde im Geburtshaus Luna bisher extern für ärztliche Leistungen gesorgt; für die Notfallregel ist es mit der Sanitätspolizei Bern eine Kooperation eingegangen. Diese hat den gemeinsamen Vertrag jedoch auf Ende 2021 gekündigt. Gemäss der Sanitätspolizei Bern haben «die Übereinstimmung der medizinischen Werte, eine ausreichende Vertrauensbasis und eine funktionierende Kommunikation» gefehlt, war in verschiedenen Medienberichten zu lesen. Seitens der Sanitätspolizei Bern hiess es zudem, dass sie keinen Leistungsauftrag habe, um dem Geburtshaus rund um die Uhr eine unentgeltliche ärztliche Leistung zur Verfügung zu stellen.

Die Sanitätspolizei ist bei der befristeten Lösung doch dabei

An diesen Kündigungsgründen halte die Sanitätspolizei weiterhin fest, schrieb die «Berner Zeitung» (BZ) gestern. Die Sanitätspolizei habe mitgeteilt: «Trotzdem soll das Geburtshaus Luna seine Arbeit weiterführen können und genügend Zeit erhalten, um die Erfüllung bestehender behördlicher Auflagen im Jahr 2022 neu zu regeln.» Deshalb habe die Sanitätspolizei Hand geboten für eine befristete Lösung, berichtete die Tageszeitung.

Das sagt die Geschäftsführerin des Geburtshauses

Luna-Geschäftsführerin Susanne Clauss sagte gegenüber der Zeitung: «Nun gibt es wenigstens temporär eine gewisse Entspannung.» Die befristete Lösung sei allerdings nicht gratis: 2022 bezahle das Geburtshaus 22’500 Franken dafür, dass die Sanitätspolizei bei Bedarf mit einem Arzt vor Ort komme, schreibt die BZ.
«Für uns ist das sehr viel Geld», sagte Clauss gegenüber der Zeitung. Zumal das Geburtshaus im Rettungsperimeter der Sanitätspolizei liege und diese bei Notfällen also sowieso ausrücken müsste.

Neuer Vertrag muss vorgelegt werden

Wie das Berner Gesundheitsamt schreibt, muss im laufenden Jahr rechtzeitig ein neuer Vertrag vorgelegt werden, damit das Geburtshaus Luna auch im Jahr 2023 weiter auf der kantonalen Spitalliste geführt wird. Die Luna-Geschäftsführerin sagte gegenüber der BZ: «Wenn die Sanitätspolizei die Leistungen nicht mehr erbringen will, stehen wir erneut mit dem Rücken zur Wand. Wir haben keinen Plan B.»
Zu dem Vorwurf des Kantons, dass bereits im vergangenen April eine Lösung hätte gefunden werden können, äusserte sich Clauss gegenüber der BZ so: «Ich weiss nicht, was das Gesundheitsamt damit meint. Im April haben gar keine Gespräche stattgefunden.»

Forderungen in der überparteilichen Motion

Die grösste Hoffnung der Luna-Geschäftsführerin sei nun die Politik, schreibt die Zeitung und weist auf eine überparteiliche Motion hin, die verlangt, die Anforderungen für Geburtshäuser zu überarbeiten. Da in Notfällen meist sogar eine Verlegung in ein Spital notwendig sei, solle die Vorgabe, dass eine Ärztin oder ein Arzt innert 15 Minuten vor Ort sei, gestrichen werden. Das Geburtshaus Luna könnte dann auch ohne Kooperationsvertrag weiter bestehen. 
Im Kanton Bern gibt es aktuell zwei Geburtshäuser: Das Luna in Ostermundigen und die Maternité Alpin in Zweisimmen. Seit dem Jahr 2017 haben im Letztgenannten 289 Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften geboren, weitere 160 Frauen verbrachten dort das Wochenbett. Im Luna kamen im vergangenen Jahr 253 Kinder auf die Welt, die Angestellten betreuten weitere 152 Frauen vor oder nach der Geburt stationär im Haus. 
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