Astra Zeneca: Will der Bund die Impfdosen verkaufen?

Noch bevor der Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns in der Schweiz zugelassen ist, prüft der Bund den Weiterverkauf.

, 22. Februar 2021 um 10:53
image
  • politik
  • coronavirus
  • impfstoff
  • impfung
Eigentlich hätte die Schweizer Bevölkerung nebst den Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna, Zugang zum Vektorimpfstoff von Astra Zeneca erhalten sollen. 5,3 Millionen Impfdosen hatte der Bund letzten Herbst bestellt. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns jedoch nicht mehr im Lieferplan der schweizerischen Armee aufgeführt. Dafür seien bereits Lieferungen von Novavax und Curevac eingetroffen. Dies, obschon beide Unternehmen noch nicht einmal Zulassungsgesuche eingereicht haben.

Kantone rätseln

Jetzt sollen Fachleute darüber rätseln, wo die 5,3 Millionen bestellten Astra-Zeneca-Dosen geblieben sind. «Mir fehlt hierzu der Überblick», wird Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, zitiert. In den Kantonen werde darüber spekuliert, dass der Bund die Bestellung bei Astra Zeneca stornieren wolle. Denkbar sei dies über eine Klausel, die einen ­Rücktritt bei ungenügender ­Wirksamkeit erlaube. «Ein Rücktritt vom Kaufvertrag ist momentan keine Option», sagt Nora Kronig dazu. Sollte Astra Zeneca jedoch durchfallen, «würde dies allenfalls geprüft».

Vakzin mit schlechtem Ruf

Tatsache ist, dass der Astra-Zeneca-Impfstoff weltweit kritisch begutachtet wird: In der Schweiz evaluiert Swissmedic seit letzten Oktober die Daten zu Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit in Bezug auf eine Marktzulassung. Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Anwendung des Vektorimpfstoffes auf Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren beschränkt. Grund: Bei Menschen ab 65 Jahren zeigt er kaum Wirkung. 
In den USA wartet die FDA eine laufende Studie ab, um solidere Daten und Einschätzungen zur Wirksamkeit in allen Altersgruppen zu erhalten.  Und: In einer Studie aus Südafrika kommt Astra Zeneca auf eine Wirksamkeit von lediglich 25 Prozent. Gemäss dem Standard der Weltgesundheitsorganisation sind mindestens 50 Prozent nötig. Südafrika hat die Impfungen erst kürzlich eingestellt. 

Nicht auf Astra Zeneca angewiesen

Zurück zur Schweiz: Nora Kronig sagt gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass die Datenlage zurzeit zu unsicher sei, weshalb Astra Zeneca nicht im Lieferplan aufgeführt werde. Zudem sei die Schweiz nicht auf die Dosen von Astra Zeneca angewiesen, weil gemäss Plan im Mai grosse Mengen von vier hochwirksamen mRNA-Impfstoffen zur Verfü­gung stehen würden. 
Nun soll das BAG  darüber nachdenken, die Astra-Zeneca-Dosen weiterzuverkaufen. Laut Kronig gebe es Überlegungen, den Stoff weiterzugeben. Interessant: Der Hersteller soll davon noch nichts wissen. Eine Sprecherin betone, die Schweiz könne nach der Zulassung durch Swissmedic rasch beliefert werden. 

Pfizer/Biontech: Neuer Hoffnungsschimmer

Mehreren Medienberichten zufolge, soll die Corona-Impfung von Pfizer/Biontech nicht nur vor einer Erkrankung schützen, sondern auch die Übertragung mit dem Virus verhindern. Wie erste Studienresultate aus Israel zeigen, mit einer Wirksamkeit von 90 Prozent. 

Lesen Sie bei Medinside weiter zum Thema:

Nur die Hälfte der Ärzte war zur Impfung gekommenAstra-Zeneca-Vakzin: Südafrika stoppt ImpfungenAstra Zeneca: EKIF hinterfragt Impfstoff kritischDer Impfstoff von Astra Zeneca unter scharfer Kritik
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Die Gesundheitskosten stiegen nochmals, aber…

Inzwischen liegen die Schweizer Gesundheitsausgaben über 90 Milliarden Franken. Allerdings: Man kann vorsichtig optimistisch sein.

image

Es bleibt dabei: Die Krankenkasse bezahlt den Zahnarzt nicht

Der Nationalrat lehnte einen Vorstoss dazu deutlich ab.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

image

Efas: Das Referendum ist am Ziel

Das Volk wird voraussichtlich im September über die neue Gesundheits-Finanzierung abstimmen.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.