Ambulant vor stationär: Alain Berset will 8er Liste

Der Gesundheitsminister schlägt acht Eingriffe vor, die künftig schweizweit ohne Spitalaufenthalt durchgeführt werden sollen. Es käme zu Einsparungen von 100 Millionen Franken.

, 30. Januar 2018 um 10:06
image
Bereits mehrere Kantone führen Listen von häufigen Operationen, die nur noch ambulant anstatt stationär durchgeführt werden dürfen. Dies, um teurere, stationäre Spitalaufenthalte zu verringern. Luzern machte den Anfang, es folgten die Kantone Zürich, Aargau, Zug und das Wallis mit 13 und 14 häufigen Eingriffen. Diesen Wildwuchs will der Bund mit einer einheitlichen Liste eindämmen. 

Die Liste liegt bei den Leistungserbringern

Diese neue, schweizweit gültige Liste liegt bereits zur Konsultation bei Leistungserbringern und Kantonen, wie die «NZZ» schreibt. Es handelt sich um eine 8er Liste, die von der Meniskus-Arthroskopie über die Mandelentfernung bis zur Hämorrhoiden-Operation reicht. 
Laut der Zeitung dürfte Gesundheitsminister Alain Berset die Liste bald verbindlich einführen. «Die Festlegung einer künftigen Regelung durch das Departement des Innern ist im Frühjahr, die Inkrafttretung der Änderung der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) für Anfang 2019 vorgesehen», wird BAG-Sprecher Grégoire Gogniat dazu zitiert. 

Die 8er Liste: Vorschläge des BAG

image
Quelle: NZZ / Santésuisse

Vorschläge der Kantone für «ambulant statt stationär»

image
Quelle: NZZ / Santésuisse

Kantone gewinnen, Krankenkassen verlieren

Die Kantone sind die Gewinner dieser Listen, die Krankenkassen die Verlierer. Dies darum, weil die Kantone bei stationären Eingriffen 55 Prozent der Kosten tragen. Bei ambulanten Eingriffen müssen die Krankenkassen allein zahlen. Welche finanziellen Nachteile den Krankenkassen dadurch erwachsen, zeigt die «NZZ» mit neuen Zahlen von Santésuisse
Der Krankenkassenverband hat auf Basis der Gesundheitsdaten des letzten Jahres berechnet, wie sich die Kosten voraussichtlich entwickeln, wenn die verschiedenen Listen zur Anwendung kommen. Wird die BAG-Liste mit acht Eingriffen umgesetzt, könnten im ganzen Gesundheitssystem rund 100 Millionen Franken eingespart werden. Die Krankenkassen und damit die Prämienzahler hätten eine Mehrbelastung von 9,8 Millionen Franken zu tragen. 

Konsens für einheitliche Listen

Wenn man nur die Operationen anschaut, die über die BAG-Liste hinausgehen, ist laut Santésuisse nicht mit Einsparungen, sondern mit Mehrkosten für das ganze Gesundheitssystem zu rechnen. Dies darum, weil etwa das Einsetzen eines Herzkatheters ambulant deutlich teurer sei als bei einer stationären Behandlung. Ähnliches gilt für Herzschrittmacher. Diese zusätzlich analysierten Operationen aus den kantonalen Listen führten für die Krankenkassen zu Mehrkosten von 60 Millionen Franken. 
Grundsätzlich befürworten die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura eine einheitliche Liste. Auch die kantonalen Gesundheitsdirektoren wollen eine einheitliche Liste. Selbst wenn die BAG-Liste in Kraft treten würde, könnten sie weiterhin Listen anwenden, die über die BAG-Liste hinausgehen. Von der Ärztevereinigung FMH ist bekannt, dass sie die Verlagerung von stationär zu ambulant unterstützt, sofern der Arzt die letzte Entscheidung treffen kann. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Nach 14 Jahren: Efas ist durch

Ambulant, stationär und später Langzeitpflege: Das Parlament hat heute das Gesetzeswerk zur Einheits-Finanzierung angenommen.

image
Gastbeitrag von Felix Schneuwly

Efas – warum einfach, wenn es kompliziert auch geht?

Comparis-Experte Felix Schneuwly beschreibt, wie man die Efas-Vorlage mit vier Bestimmungen einfach und klar hätte gestalten können.

image

(Noch) kein Marschhalt fürs EPD

Der Nationalrat will keinen Übungsabbruch beim Elektronischen Patientendossier (EPD) und spricht 30 Millionen Franken zur Übergangsfinanzierung zugunsten der Stammgemeinschaften.

image

«Rosenpickerspitäler» werden nicht bessergestellt

Vertragsspitäler werden mit Efas nun doch nicht bessergestellt. Der Nationalrat weicht somit von seiner früheren Haltung ab und folgt dem Ständerat.

image

Beat Jans will Spitalplanung zur Bundesratssache machen

Er will den Kantonen die Spitalplanung abnehmen und die Medikamentenpreise senken: Die Pläne des neuen Bundesrats Beat Jans.

image

Arzneimittelpreise: Einheitlicher Vertriebsanteil ab 2024

Um die Abgabe von preisgünstigeren Arzneimitteln zu fördern, wird neu der Vertriebsanteil angepasst.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.