Neue Widerspruchslösung auf Unbestimmt verschoben

Das neue Organspende-Register wird frühestens 2025 kommen. Nun propagiert Swisstransplant die alte Methode: den Spendeausweis.

, 23. November 2022, 07:05
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Die Organspende-Karte auf Papier bleibt auch dann gültig, wenn der Bund sein neues Register dereinst einführt. | zvg
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In einer Woche startet Swisstransplant mit der Löschung aller Daten im nationalen Organspende-Register. Spitäler, die einen Spender für eine Transplantation suchen, haben schon seit einiger Zeit keinen Zugriff mehr auf das Register.

Zuerst für 2024 geplant

Anfänglich wurde die Löschung des nationalen Registers als wenig dramatisch beurteilt. Denn die Bevölkerung sagte im Mai in der Volksabstimmung Ja hat zur so genannten Widerspruchslösung. Deshalb war geplant, dass spätestens 2024 sowieso ein neues eidgenössisches Register in Betrieb ginge.
Das war auch ein Grund, warum sich Swisstransplant nach der Schliessung des nationalen Registers nicht mehr gross für die Wiedereröffnung stark gemacht hat, sondern beschlossen hat, auf die Online-Registrierung ganz zu verzichten und dafür den Spenderausweis auf Papier und andere schriftliche Einwilligungserklärungen zu fördern.

Massive Sicherheitslücken

Der Grund für die Löschung der digital registrierten Spendewilligen waren massive Sicherheitslücken. Im Organspende-Register von Swisstransplant konnten sich Personen schnell und einfach als Spender eintragen – so einfach, dass sie auch gleich andere ohne ihr Wissen hätten registrieren können.
Konkrete Missbräuche wurden zwar nicht bekannt, doch die Sicherheitslücken erwiesen sich als so gravierend, dass Swisstransplant das Register einstellte.
Nun zeigt sich aber, dass die Widerspruchslösung noch eine ganze Weile nicht eingeführt wird. Das geplante eidgenössische Register steht frühestens 2025 bereit. Zuerst müssten noch Details zur Umsetzung im Verordnungsrecht geregelt werden, begründet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die lange Frist. Zudem müsse das neue Register aufgebaut und eine breite Kampagne zur Information der Bevölkerung ausgearbeitet werden. «Der genaue Zeitpunkt der Umstellung ist noch nicht bekannt. Bis zur Umstellung gilt weiterhin die Zustimmungslösung», teilt das BAG mit.

Allianz will Daten offline retten

Diese Verzögerung hat weiteren Widerstand belebt. Die Organspende-Allianz, eine Gruppe von Fachleuten, versucht laut der «NZZ am Sonntag», die gespeicherten Daten des geschlossenen Online-Registers in letzter Minute zu retten. Die Allianz möchte, dass die Daten der Spendewilligen offline gespeichert werden, bis der Bund ein neues Register geschaffen hat. So wären die Daten wenigstens weiterhin für die Universitätsspitäler zugänglich.
Sonst drohe ein «Rückfall in die Transplantationssteinzeit», wie Conrad Engler, ehemaliger Politik-Chef beim Spitalverband Hplus und Koordinator der Organspende-Allianz, sagte. Er befürchtet, dass die Organspendezahlen sinken würden.

Nur 1,5 Prozent waren registriert

Allerdings dürfte die Rettung dieser Daten wenig Einfluss darauf haben. Im Register haben sich nur etwa 132’000 Personen eingetragen. Das sind 1,5 Prozent der Bevölkerung. Und das bedeutete auch, dass sich die Spitäler schon bisher kaum auf die Einträge im Register abstützen konnten.
Swisstransplant verfolgt deshalb eine andere Strategie. Die Stiftung empfiehlt den Spendewilligen andere Wege, ihre Bereitschaft kundzutun. Konkret rät Swisstransplant «Teilen Sie Ihren Entscheid Ihren Nächsten mit und halten Sie ihn schriftlich fest – zurzeit zum Beispiel per Organspende-Karte, Patientenverfügung oder elektronischem Patientendossier (EPD).»

Ausweis bleibt gültig

Der Organspende-Ausweis und andere schriftliche Verfügungen bleiben auch dann gültig, wenn der Bund dereinst doch noch sein neues Register einführen wird und die die neue Widerspruchsregelung in Kraft tritt.
Im Ernstfall galt auch schon bisher der Eintrag ins Spende-Register nicht als vorbehaltlose Zustimmung. Immer wurden auch die Angehörigen in den Entscheid einbezogen. Ist der Spendewille festgehalten, entlastet es jedoch die Angehörigen und das Spitalpersonal von der Ungewissheit, was die sterbende Person gewünscht hätte.
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