Genfer Universität meldet Durchbruch im Kampf gegen Typ-1-Diabetes

Ein europäisches Team unter der Leitung der Universität Genf hat eine bioartifizielle Bauchspeicheldrüse entwickelt.

, 11. Dezember 2025 um 04:54
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Links: Ekaterine Berishvili, ausserordentliche Professorin, wissenschaftliche Leiterin des Vanguard-Projekts, Abteilung für Chirurgie, Fakultätszentrum für Diabetes. Rechts: vaskularisierte bioartifizielle Bauchspeicheldrüse, © Berishvili Lab, UNIGE
In der Schweiz leben etwa 50'000 Menschen mit Typ-1-Diabetes, schätzt die Diabetesgesellschaft Diabetes Suisse. Die meisten bleiben auf eine lebenslange Insulintherapie angewiesen. Ein internationales Team unter der Leitung der Universität Genf entwickelte nun eine künstliche Bauchspeicheldrüse aus biologischem Gewebe, die ohne Immunsuppression transplantiert werden kann.
Das Projekt mit der Bezeichnung «Vanguard» wird von einem multidisziplinären Konsortium getragen, dem neben der Genfer Universität auch die Université Claude Bernard Lyon 1, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Ospedale San Raffaele Mailand, die Università del Piemonte Orientale und das Erasmus Medical Center in Rotterdam angehören.
Diese Zusammenarbeit wurde kürzlich vom Innovationsrader der Europäischen Kommission geehrt, einer Auszeichnung, die nur 14 Prozent der von der Europäischen Union finanzierten Innovationen verliehen wird.

Unabhängig von Spenderorganen

Nach fünf Jahren Forschungsarbeit, die mit sieben Millionen Euro finanziert wurde, hat das Gremium vier von diesem Konsortium entwickelte Innovationen ausgezeichnet:
  • Amniogel: Ein Hydrogel, das die transplantierten Zellen schützt und die Vaskularisierung fördert.
  • Vorvaskularisierte Inselorganoide vom Schwein: Sie normalisieren den Blutzuckerspiegel mit der Hälfte der Zelldosis, die für freie Inseltransplantate erforderlich ist – eine Lösung, die angesichts des Mangels an menschlichen Spendern besonders relevant ist.
  • Bioartifizielle Bauchspeicheldrüse von Schweinen: Wiederherstellung der Normoglykämie bei diabetischen Mäusen mit geringeren Zelldosen.
  • Menschliche bioartifizielle Bauchspeicheldrüse: eine vorvaskularisierte subkutane Struktur, die Diabetes in präklinischen Modellen umkehren konnte.
«Durch die Kombination eines schützenden Biomaterials mit prävaskularisierten Zellclustern haben wir gezeigt, dass spenderunabhängige und vor dem Immunsystem geschützte Therapien in Reichweite sind», erklärt Ekaterine Berishvili, wissenschaftliche Leiterin von Vanguard und Professorin an der medizinischen Fakultät der UNIGE, die auch das Labor für Zellisolierung und -transplantation der Transplantationsabteilung des Genfer Universitätsspitals (HUG) leitet.
Für die Forscherin ist die Herausforderung nicht nur eine technologische, sondern auch eine ethische. «Fortschritte müssen zugänglich sein – und nicht exklusiv. 1921 entdeckten Banting und Best das Insulin in einem kleinen Labor in Toronto, getrieben von der Not, nicht von der Bürokratie. Banting sagte: ‹Insulin gehört der Welt.› Heute ist unsere Wissenschaft stärker, aber unser Zögern ist grösser. Mit Zusammenarbeit und Entschlossenheit können wir Innovationen aus dem Labor ans Krankenbett bringen.»
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