Eine neue Studie des
Universitätsspitals Zürich liefert Einblicke in die Berufswünsche angehender Ärztinnen und Ärzte. Veröffentlicht in
Medical Education Online, untersucht die Studie, welche Fachrichtungen für Studierende am Ende ihres Masterstudiums besonders attraktiv sind.
Für die Beobachtungsstudie im Frühjahr 2025 wurden Absolventen aus Zürich, St. Gallen, Luzern, Basel und Lugano befragt. Insgesamt beantworteten 364 Studierende den Online-Fragebogen, 68 Prozent von ihnen waren Frauen.
Die Teilnehmenden wurden nicht nur zu ihrer Berufswahl befragt, sondern auch zu den Faktoren, die ihnen in ihrem zukünftigen Berufsleben besonders wichtig sind – etwa Arbeitsplatzsicherheit, Teilzeitmöglichkeiten, berufliche Autonomie, Einkommen oder die Qualität der Beziehungen zu ihren Patientinnen und Patienten.
Spezialisierung
Die zentrale Erkenntnis: Am Ende des Studiums waren die spezialisierten Disziplinen der stationären Versorgung (37%) sowie die spezialisierten Disziplinen der ambulanten Versorgung (20%) mit Abstand die attraktivsten Karriereoptionen. Die Studierenden nannten hierfür vor allem das Interesse an Chirurgie und der Spezialisierung als Hauptgründe.
Interessant ist die festgestellte Dynamik: Während des Masterstudiums stieg die Attraktivität für die Allgemeinmedizin sowie für die spezialisierte ambulante und stationäre Versorgung.
Im Gegenzug verzeichneten die ambulante Gynäkologie/Pädiatrie und die stationäre Allgemeine Innere Medizin einen Rückgang der wahrgenommenen Attraktivität.
Work-Life-Balance und Patientenbeziehung
Die Forschenden identifizierten auch die wichtigsten Kriterien für die Berufswahl der angehenden Ärztinnen und Ärzte. An der Spitze der Präferenzen standen:
- Die Ausübung medizinischer Kerntätigkeiten.
- Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit.
- Die Beziehungen zu den Patienten.
Praxis während des Studiums
Welche Faktoren beeinflussen die beruflichen Ambitionen angehender Ärztinnen und Ärzte? An erster Stelle stehen die Möglichkeit, vollständig medizinisch tätig zu sein (84 %), der direkte Kontakt zu Patientinnen und Patienten (80 %) sowie ein sicherer Arbeitsplatz (80 %).
Am stärksten prägend sind jedoch die praktischen Erfahrungen während des Studiums: Das Wahljahr führt die Liste mit 91 % an, gefolgt von klinischen Kursen mit Patientenkontakt (70 %) und ausserschulischen Aktivitäten (69 %).
Als mögliche Hindernisse sehen die Studierenden vor allem gesellschaftliche Bedürfnisse: 14 Prozent geben den Mangel an wenig gewählten Fachrichtungen an, und 13 Prozent nennen den politischen Kontext. Dies verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den individuellen Karrierewünschen der Studierenden und den Anforderungen des Gesundheitssystems.
Die Studie weist jedoch mehrere Einschränkungen auf. So mussten die Studierenden die Attraktivität verschiedener Karrierewege retrospektiv für unterschiedliche Ausbildungsphasen – vom Bachelor- bis zum Masterstudium – beurteilen, was ein Risiko für Erinnerungsverzerrungen birgt. Z
udem wurden keine sozioökonomischen Daten erhoben, weder zum Beruf der Eltern noch zu Persönlichkeitsmerkmalen, die die Berufswahl beeinflussen könnten. Deshalb kann die multivariate Analyse nicht alle potenziellen Störfaktoren berücksichtigen.