Dass er einst im Orchester Trompete spielte und später zur Bassposaune wechselte, ist vielen bekannt. Dass der Herzchirurg Thierry Carrel auch schon mal zum Alphorn greift, konnten die Gäste seiner Buchvernissage am Samstagabend im Casino in Bern erleben.
Zehn Jahre nach seinem ersten Buch «Von Herzen» hat der Freiburger sein zweites Buch geschrieben: «Von Herzen II».
«Ich hatte nie geplant, meine Stelle als Chefarzt der Klinik Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital aufzugeben», verriet Carrel an der Vernissage im Burgerratssaal. «Im Gegenteil, ich habe während über 20 Jahren alles unternommen, um in meiner erfüllenden Funktion bis zur ordentlichen Emeritierung stets auf dem neusten Stand und motiviert zu bleiben.»
Doch nicht alles verlief nach Plan. Einzelne Führungskräfte erschwerten ihm die Arbeit, sodass Carrel vor fünf Jahren ans Universitätsspital Zürich wechselte. Dort erlebte er ein «Déjà-vu», wie er im Buch schildert: «Auch dort habe ich nach einer intensiven Zeit der Stabilisierung und des Wiederaufbaus den respektvollen und wertschätzenden Umgang der Verantwortlichen mit mir vermisst.»
Anstelle einer klassischen Abschiedsvorlesung hat Carrel nun sein zweites Buch geschrieben – als persönliche und inspirierende Aufarbeitung seiner Erfahrungen.
Er erzählt darin von Erinnerungen, Krisen und Anekdoten. Etwa davon, wie er dank seines Biologielehrers am Collège St. Michel in Fribourg die Leidenschaft für Naturwissenschaften entdeckte. Oder wie er im Militär gegen seinen Willen von der Artillerie in die Sanitätstruppen umgeteilt wurde, wo er schliesslich als Regimentsarzt diente.
Statt zum Skalpell und Stethoskop greift Thierry Carrel auch schon mal zum Alphorn. | cch
Im Buch kommen auch ehemalige Patientinnen und Patienten zu Wort – ebenso wie an der Vernissage. Der prominenteste unter ihnen: Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Während seiner Amtszeit als Finanzminister erlitt er einen Herzstillstand und wies einen schweren Befall aller drei Herzkranzarterien auf.
«Erzählen Sie, wie das damals so war», forderte ihn TV-Moderatorin Sabine Dahinden Carrel auf. Merz wäre nicht Merz, wenn er seinen Humor nicht behalten hätte: «Das war natürlich ein Seich...»