Unispital Genf startet Chemsex-Sprechstunde

Die Hôpitaux universitaires de Genève bieten nun eine multidisziplinäre Beratung an, die sich mit dem Gebrauch psychoaktiver Substanzen beim Sex befasst. Das Angebot wird von der Krankenkasse vergütet.

, 19. Januar 2026 um 05:26
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Chemsex ist der Gebrauch von psychoaktiven Substanzen in einem sexuellen Kontext.
Die Abteilung für Infektionskrankheiten des Universitätsspital Genf (HUG) hat eine spezielle Sprechstunde für Chemsex entwickelt. Das Angebot richtet sich an alle Personen, die ihren Substanzkonsum beim Geschlechtsverkehr hinterfragen, sowie an deren Angehörige, so die HUG in einer Mitteilung.
Laut dem zuständigen Arzt Matteo Reymond stellt Chemsex «eine klar identifizierte Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar, die derzeit kaum erkannt oder behandelt wird». Daher möchten die HUG ein multidisziplinäres Betreuungsnetz und eine personalisierte Betreuung aufbauen. Dies ergänzt auch ein lokales Angebot, das der Checkpoint Genève seit 2019 anbietet.
Chemsex beinhaltet den Gebrauch von Substanzen wie GBL/GHB, Methamphetamin («Cristal Meth», «Tina») und Cathinonen (2-3-4MMC). Es gibt Schätzungen, wonach 6 bis 10 Prozent der Personen mit dieser Praxis Substanzen durch intravenöse Injektion konsumieren – und dass etwa 15 Prozent der Männer, die Sex mit anderen Männern haben, Chemsex praktizieren, mit einem Medianalter von etwa 35 Jahren.
Damit könnten im Kanton Genf extrapoliert 1'500 bis 4'000 Personen betroffen sein.
Wer Chemsex praktiziert, ist mehreren Risiken ausgesetzt:
  • Überdosierung von Substanzen.
  • Sucht nach Substanzen, aber auch nach Sex, mithin problematische Nutzung von Dating-Apps.
  • Sexuell übertragbare oder durch Blutkontakt verursachte Infektionen (HIV, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, virale Hepatitis).
  • Komplikationen im Zusammenhang mit Injektionen oder anderen Arten des Substanzkonsums.
  • Auswirkungen auf die Sexualität: Werminderte Libido im nüchternen Zustand, Verlust der Lust auf suchtmittelfreie Sexualität.
  • Gefahr sexueller Gewalt.
Die Angst, verurteilt und missverstanden zu werden, würde die Betroffenen davon abhalten, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, und somit die Behandlung verzögern.
Daher wollen die HUG eine individuelle Betreuung anbieten, die eine pflegerische Beratung zur Risikominderung beim Substanzkonsum, eine sexualwissenschaftliche Beratung oder auch eine Suchtberatung umfassen kann.
Laut der Mitteilung des Unispitals wird diese Beratung als Krankenkasse-Grundleistung unter Abzug der Franchise und der Selbstbeteiligung vergütet. Bei finanziellen Schwierigkeiten oder Problemen im Zusammenhang mit dem Zugang zu einer Krankenversicherung ist eine soziale Beurteilung möglich.
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