Schlafstörungen kosten die Schweiz 15 Milliarden pro Jahr

Wer schlecht schläft, zahlt einen Preis – gesundheitlich und ökonomisch. In keinem anderen Land Europas sind die Pro-Kopf-Kosten durch Schlafstörungen so hoch wie in der Schweiz.

, 2. März 2026 um 05:07
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Symbolbild: Sander Sammy on Unsplash
Schlaf ist ein biologisches Grundbedürfnis. Bleibt er über Wochen und Monate gestört, steigt das Risiko für Herzinfarkt, Diabetes, Demenz oder Depression. Gleichzeitig sinken Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit – mit Folgen für Betriebe, Versicherungen und das Gesundheitssystem.
Eine im «European Journal of Neurology» publizierte Studie hat diese Belastung erstmals systematisch für mehrere Länder beziffert. Das Resultat für die Schweiz ist deutlich: Mit rund 15 Milliarden Franken pro Jahr trägt sie europaweit die höchsten Pro-Kopf-Kosten durch Schlafstörungen.
Rund 1,7 Millionen Menschen sind in der Schweiz von relevanten Schlafstörungen betroffen. Den grössten Anteil an den Gesamtkosten verursachen:
  • obstruktive Schlafapnoe: 8,6 Milliarden CHF
  • Insomnie: 4,2 Milliarden CHF
  • Restless-Legs-Syndrom: 2,3 Milliarden CHF
Die ökonomische Last setzt sich aus direkten medizinischen Ausgaben (Diagnostik, Therapie, Folgebehandlungen) sowie aus indirekten Kosten zusammen – insbesondere durch krankheitsbedingte Absenzen, verminderte Leistungsfähigkeit und Langzeitarbeitsunfähigkeit.

Kostenvergleich in Europa

Die Gesamtkosten von Schlafstörungen in den einkommensstarken Ländern Europas werden auf 422,9 Milliarden Euro geschätzt, was rund 3 Prozent des gemeinsamen Bruttoinlandprodukts der Region entspricht. Diese Zahl ist laut den Forschenden jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da es zu Doppelzählungen gekommen sein könnte.
Die höchsten gesamtgesellschaftlichen Kosten entfielen auf Deutschland (106 Milliarden Euro), gefolgt von Frankreich (68 Milliarden Euro), dem Vereinigten Königreich (39 Milliarden Euro) und Italien (36 Milliarden Euro) – was vor allem die grosse Bevölkerungszahl dieser Länder widerspiegelt.
Die Pro-Kopf-Kosten reichten von 372 Euro in Kroatien bis zu 1855 Euro in der Schweiz; der Median lag bei 620 Euro.

Schlafstörungen als eigenständige Krankheit

Frauen und ältere Erwachsene sind besonders betroffen, zunehmend aber auch jüngere Menschen im Erwerbsalter. Das Netzwerk Schlaf Schweiz fordert deshalb «eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung, eine frühzeitige Abklärung von Schlafproblemen sowie eine bessere Vernetzung von Prävention, Diagnostik und Behandlung».
Mit Blick auf die enormen Kosten, die Schlafstörungen in der Schweiz mit sich ziehen, empfiehlt das Netzwerk, diese als eigenständige, nicht übertragbare Krankheit zu betrachten und in die nationale NCD-Strategie aufzunehmen. Dies sei frühestens 2029 möglich und nur, «falls Bund und Kantone heute die Weichen dafür stellen».
Zur Originalpublikation:

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