Für viele ältere, multimorbide Menschen endet der Spitalaufenthalt nicht mit der Entlassung: Rund jede fünfte Person wird innert 30 Tagen erneut hospitalisiert. Das Kantonsspital Baden erprobt deshalb mit Hospital at Home ein alternatives Versorgungsmodell.
Ziel ist es, ungeplante Wiedereintritte durch eine interprofessionelle Betreuung im häuslichen Umfeld zu reduzieren. Dazu arbeiten Spital, Spitex, Hausärzte, Apotheken sowie Angehörige eng zusammen.
Eineinhalb Jahre nach dem Start zeigen erste Auswertungen: Die strukturierte Betreuung zu Hause kann Wiedereintritte reduzieren – stösst in der Praxis aber auch an Grenzen.
Kennzahlen Hospital@Home-Projekt des KSB
• Prescreening und Screening: 9843 Personen
• Studienteilnehmende: 660
• Durchschnittsalter: 81,9 Jahre
• Geschlechterverteilung: 50,2 % Frauen / 49,8 % Männer
• Durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Spital: 8,3 Tage
• Zufriedenheit der Hospital@Home-Teilnehmenden: 98 %
«Es handelt sich um ein vielversprechendes Versorgungsmodell, das sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für das Gesundheitssystem einen Mehrwert bieten kann», sagt Maria Wertli, Chefärztin Innere Medizin am KSB. Die bisherigen Ergebnisse zeigten jedoch auch, wie gross die Herausforderungen im Alltag seien.
Herausforderung
«Dass viele ältere Menschen zu Hause in ihrer Funktionalität derart stark eingeschränkt sind, haben wir in diesem Ausmass nicht erwartet. Eine engmaschige Betreuung ist deshalb zentral – auch zur Entlastung des Gesundheitswesens», betont Wertli.
Entsprechend gross sei die Wertschätzung für die im Rahmen des Pilotprojekts eingerichtete KSB-Hotline, über die Patienten auch nach dem Spitalaufenthalt Fachpersonen erreichen, die mit ihrer Krankengeschichte vertraut sind, schreibt das KSB in einer Mitteilung.
Positive Rückmeldungen kommen zudem von Hausärztinnen und Hausärzten, Spitexorganisationen und Apotheken.
Unterstützung vom Kanton
Das am KSB entwickelte Projekt wird vom Kanton Aargau mit einer Million Franken unterstützt und wissenschaftlich in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich begleitet.
Das Projekt läuft noch bis Ende 2026. Die wissenschaftliche Auswertung soll aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen Hospital at Home langfristig zur Verbesserung der Versorgungsqualität, zur Entlastung der Spitäler und zur Reduktion von Folgekosten beitragen kann.
Erfahrung aus anderen Kantonen
Dass Hospital at Home Modelle zunehmend an Bedeutung gewinnen, zeigen ähnliche Initiativen in anderen Kantonen.
Im Laufental hat das Kantonsspital Baselland sein Pilotprojekt inzwischen als fixes Angebot etabliert – neu unter dem Namen «Spital zuhause». Seit Mai 2025 wurden dort über 100 Patientinnen und Patienten spitaläquivalent zu Hause behandelt. Die medizinische Leitung übernimmt Severin Pöchtrager, der das Modell als sichere und wirksame Alternative zum stationären Aufenthalt bezeichnet.
Auch im
Kanton Zürich ziehen die Pioniere eine positive Bilanz: Das Spital Zollikerberg und die Hospital at Home AG haben seit 2021 rund 750 Patientinnen und Patienten zu Hause behandelt. Über 95 Prozent der Betroffenen und ihrer Angehörigen bewerten die Versorgung positiv. Die Behandlungsdauer entspricht jener eines Spitalaufenthalts, Komplikationen treten seltener auf.
Langfristige Finanzierung
Trotz der ermutigenden Resultate bleibt die Finanzierung eine zentrale Herausforderung. Derzeit werden die Programme kantonal unterstützt, langfristig fehlt jedoch eine klare Tarifregelung. Für Pöchtrager ist klar: «Hospital at Home ist wie ein junges Bäumchen – es braucht sorgfältige Pflege, damit es zu einer tragfähigen Säule der Versorgung werden kann.»