Herzchirurgie in Zürich: Minimalinvasiv von Anfang an
Die Kernbotschaft von Omer Dzemali beim Ärztekongress in Davos war eindeutig: In Zürich wird Herzchirurgie heute nicht nur minimalinvasiv durchgeführt – sie wird so ausgebildet.
, 23. Februar 2026 um 23:55
USZ-Chirurgen-Team im Operationssaal. | Bild: Screenshot Youtube Video | USZ.
«Minimalinvasiv ist keine Ausnahme», betonte Omer Dzemali am Ärztekongress in Davos, «sondern Ausbildungsstandard.» An der «Allianz Herzchirurgie Zürich» – einem Verbund von Stadtspital Zürich, Hoch Health Ostschweiz und Universitätsspital Zürich – werden junge Kolleginnen und Kollegen «ziemlich früh an den OP-Tisch mitgenommen» und systematisch in kleinen Zugängen geschult.
Rund zwanzig operierende Herzchirurginnen und -chirurgen sind Teil der Allianz. Der Nachwuchs wird mit Simulationstraining und strukturiertem Mentoring an minimalinvasive Techniken herangeführt. Nach etwa 50 assistierten Eingriffen würden die jungen Operateure vergleichbare Resultate wie erfahrene Kolleginnen und Kollegen erreichen. «Ein paar von ihnen haben sogar Schwierigkeiten, eine Sternotomie zu machen», ergänzte Dzemaili mit einem Augenzwinkern.
Bild: Stadtspital Zürich.
Omer Dzemali ist Klinikdirektor der «Allianz Herzchirurgie Zürich-St. Gallen». Er ist Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Herz- und Thoraxchirurgie sowie der European Association for Cardio-Thoracic Surgery und engagiert sich unter anderem im Qualitätsmanagement der deutschen Fachgesellschaft (DGTHG).
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der minimalinvasiven Herzchirurgie.
Die Zahlen unterstreichen den Wandel: 2025 führte die Allianz knapp 2000 primäre Eingriffe durch und gehört damit zu den fünf grössten öffentlichen Herzzentren Europas. In der Mitralklappenchirurgie werden mittlerweile 99 Prozent der Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt, bei der Aortenklappe über 80 Prozent. Auch in der Bypass-Chirurgie steige der Anteil kontinuierlich – mit dem Ziel, die 50-Prozent-Marke zu erreichen.
Warum dieser Fokus? «Weniger ist mehr», so Dzemali. Statt eines «grossen Schnitts», sprich einer vollen Sternotomie, setzen die Teams auf laterale Thorakotomien oder partielle Sternotomien.
Das Ergebnis: kürzere Intensivaufenthalte, weniger Blutverlust, weniger Beatmungszeit – und die Patienten erholen sich schneller. Dank Videoskopie habe man trotz kleiner Inzision «einen riesigen Blick in den Operationssitus».
Omer Dzemali am Ärztekongress in Davos. Bild: Sarah Bourdely
Zentral sei zudem die enge Zusammenarbeit mit der Kardiologie. «Es ist kein Machtkampf, sondern medizinischer Dialog.» Im Heart Team würden interventionelle und chirurgische Verfahren kombiniert – etwa bei Hybrid-Eingriffen.
«Ziel ist es, die beste Lösung für den Patienten gemeinsam, präzise und individuell auszuloten.» Oder, wie Dzemali es formulierte: «Was mechanisch versagt, braucht Chirurgie. Was interventionell stabil ist, bleibt unangetastet.»
Sein Fazit: «Die Zukunft der Herzchirurgie ist nicht laut, sie ist präzise» – und in Zürich beginnt sie bereits in der Ausbildung.