USB: 35 Prozent weniger Todesfälle dank interdisziplinärer Betreuung

Wird die Kardiologie nach Operationen konsequent eingebunden, sinken Herzkomplikationen und Sterblichkeit deutlich. Das belegt eine neue Studie des Universitätsspitals Basel.

, 3. Februar 2026 um 05:00
image
Christian Müller, Chefarzt Klinische Forschung am Universitätsspital Basel. Bild: PD
Jährlich sterben weltweit um die 4,2 Millionen Menschen innerhalb von 30 Tagen nach einer Operation. Zu den häufigsten Ursachen zählen Herzinfarkte und andere kardiale Komplikationen.
Die Herzereignisse liessen sich reduzieren, indem die Kardiologie in der Betreuung nach einer Operation systematisch eingebunden wird. Das zeigt eine neue Studie des Universitätsspitals Basel, die soeben im European Heart Journal publiziert wurde.

Ein Drittel weniger Todesfälle

«Mit 46 Prozent weniger Herzkomplikationen und 35 Prozent weniger Todesfällen unterstreichen die Ergebnisse dieser Studie den klinischen Nutzen einer eng koordinierten, interdisziplinären Versorgung», schreibt das Unispital in einer Mitteilung.
Christian Müller, Chefarzt Klinische Forschung am Universitätsspital Basel, betont: «Die Ergebnisse belegen eindrücklich, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Anästhesie und Kardiologie nicht nur theoretisch sinnvoll ist, sondern messbar Leben rettet.»

Warnsignale missachtet

Woran hapert es bislang? Gemäss Noemi Glarner, Erstautorin und Assistenzärztin am Universitätsspital Basel, würden die typischen Warnsignale wie Brustschmerzen oder Atemnot durch Schmerzmittel, Narkosenachwirkungen und die Ablenkung durch Operationswunden überdeckt. «Ohne systematisches Screening mittels Biomarkern bleiben diese lebensbedrohlichen Ereignisse in der Routineversorgung meist unerkannt.»
Erschwerend komme hinzu, dass in manchen Spitälern Kardiologen nicht routinemässig in die postoperative Betreuung eingebunden seien. Die Chirurgen konzentrierten sich auf den operativen Eingriff, während das Herz als «stiller Patient» zu wenig Beachtung finde.

Mangelnde Ressourcen

Hinzu kommen personelle Engpässe: Gemäss der Studie konnte in der Schweiz nur bei rund 60 Prozent der Betroffenen eine kardiologische Evaluation durchgeführt werden – vor allem wegen fehlender Ressourcen an Wochenenden.
So sagt Christian Puelacher, Erstautor der Studie: «Unsere Erkenntnisse sollten Anlass sein, die Ressourcen für diese interdisziplinäre Versorgung zu stärken.»
  • studie
  • USB
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Schweizer Team entdeckt neue Ursache für erblichen Sehverlust

Bei vielen Menschen mit Retinitis pigmentosa war die genetische Ursache bislang unklar. Eine internationale Studie unter Basler Leitung zeigt nun, dass Varianten in fünf RNA-Genen die Erkrankung auslösen können. Dies eröffnet neue Wege für Diagnostik und Therapie.

image

Medizinische Studien: Diese Durchbrüche könnten 2026 prägen

Neue Immuntherapien, innovative Impfstoffe und grosse Studien zu Long Covid und Herzkrankheiten: 2026 könnte für die Medizin zum Jahr entscheidender Durchbrüche werden.

image

Basel öffnet Notfallversorgung für Patienten aus dem südlichen Elsass

Erwachsene aus dem südlichen Elsass können bei medizinischen Notfällen neu im Universitätsspital Basel versorgt werden. Eine Vereinbarung regelt auch die Kostenübernahme.

image

USB: Doppelleitung in der Neurologie

Mit Mira Katan Kahles und Cristina Granziera setzt das Universitätsspital Basel auf eine gemeinsame Klinik-Leitung. Sie vereint Expertise in Stroke-Medizin, Neuroimmunologie, Neurobildgebung und Präzisionsmedizin.

image

USB: Leitung für Reproduktionsmedizin neu besetzt

Frauke von Versen wird neue Chefärztin für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie am Universitätsspital Basel.

image

Neubesetzungen im Verwaltungsrat des USB

Das Universitätsspital Basel hat zwei neue Verwaltungsräte: Andreas C. Albrecht und Christoph Jäggi folgen auf Bruno Dallo und Silvia Schenker.

Vom gleichen Autor

image

Kispi: Krisenstart statt Schonfrist

Kaum im Amt, schon im Ausnahmezustand: Die neue Kispi-CEO Julia Hillebrandt und Stiftungsratspräsident Oliver Sack blicken auf ihren ersten Monat im neuen Amt zurück.

image

Medikamente: Tiefere Preise gefordert, höhere bewilligt

Politische Vorstösse verlangen Zurückhaltung bei Medikamentenpreisen. Gleichzeitig genehmigt das BAG Preiserhöhungen, um die Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln sicherzustellen.

image

Jetzt redet Florian Aschbrenner

Seit zehn Monaten ist der neue CEO am Luzerner Kantonsspital im Amt - jetzt gibt Florian Aschbrenner sein erstes Interview, nachdem er in der Öffentlichkeit hart kritisiert wurde.