Spitex: Hohe Managerlöhne, «gravierende Misstände»

Zu hohe Löhne, fehlerhafte Abrechnungen, fragwürdige Pflegenormkosten: Eine Analyse der Gesundheitskonferenz Kanton Zürich (GeKoZH) deckt erhebliche Mängel bei privaten Spitex-Firmen auf.

, 22. Januar 2026 um 07:00
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2024 leisteten Spitex-Pflegende gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 25,6 Millionen Pflegestunden. Symbolbild: Unsplash
Die Kosten für die ambulante Pflege im Kanton Zürich steigen rasant – ein grosser Teil davon entfällt auf private Spitex-Firmen ohne kommunalen Leistungsauftrag. Zwischen 2020 und 2024 kletterten die kommunalen Abgeltungen von 28 auf 71 Millionen Franken.
Eine Analyse der Gesundheitskonferenz Kanton Zürich (GeKoZH) deckt nun erhebliche Missstände bei den Abrechnungen auf.
Geprüft wurden die Abrechnungen von 64 privaten Spitex-Firmen für das Jahr 2023. Und das Ergebnis fällt deutlich aus: Vier von fünf Betrieben hielten die kantonalen Vorgaben zur Kostenrechnung nicht ein, 91 Prozent reichten unvollständige oder keine Finanzunterlagen ein. Nur knapp zehn Prozent legten eine korrekt erstellte Kostenrechnung vor.
Problematisch sind laut GeKoZH insbesondere die Angaben in der Spitex-Statistik. Diese dienen als Grundlage für die vom Kanton festgelegten Pflegenormkosten, an denen sich die kommunalen Beiträge orientieren. «80 Prozent der Betriebe halten sich nicht ans verbindliche Finanzmanual des Kantons», sagt Mark Wisskirchen, Präsident der GeKoZH, gegenüber «SRF Schweiz aktuell». Dies sei problematisch, da die Abrechnungen der Pflegestunden damit vermutlich nicht korrekt seien und die Pflegekosten insgesamt zu hoch angesetzt würden.

Löhne «gerechtfertigt»

Auch die Löhne der Geschäftsleitungen fallen ins Auge: Über 60 Prozent verdienten 2023 mehr als 150’000 Franken, rund 20 Prozent mehr als 300’000 Franken. Der höchste ausgewiesene Lohn lag bei 644’000 Franken. Gleichzeitig erzielten mehr als 20 Prozent der geprüften Organisationen ein Betriebsergebnis von über 500’000 Franken – finanziert teilweise über Pflegeerträge.
Katharina Hadorn, Vizepräsidentin der Association Spitex privée Suisse, verteidigt die Löhne gegenüber «SRF» : Ein Lohn von über 600'000 Franken sei sicher nicht die Norm, aber «Löhne von 200'000 bis 300'000 Franken sind im Kanton Zürich absolut gerechtfertigt» Gleichzeitig kritisierte sie die Analyse als nicht repräsentativ und wies darauf hin, dass das Finanzmanual Spielraum bei der Auslegung lasse.
Die GeKoZH sieht dringenden Handlungsbedarf. Spitex-Organisationen müssten die verbindlichen Vorgaben zur Rechnungslegung konsequent einhalten. Zudem müsse die Berechnung der Pflegenormkosten systematisch und transparent erfolgen – gestützt auf überprüfte Kostendaten.
Gemeinsam mit dem Amt für Gesundheit des Kantons Zürich werden bereits entsprechende Massnahmen erarbeitet.

  • 2024 leisteten Spitex-Pflegende gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 25,6 Millionen Pflegestunden. Das ist knapp ein Viertel mehr als 2023 . Zürich gehört dabei zu jenen Kantonen, die den höchsten Anstieg verzeichneten (+20 Prozent).
  • Bei den «klassischen» gemeinnützigen Spitex-Organisationen ging 2024 die Zahl der betreuten Personen das zweite Jahr in Folge zurück (-2,5 Prozent). Der Anstieg ist gemäss BFS in erster Linie auf das zunehmende Angebot gewinnorientierter, privater Unternehmen zurückzuführen.

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