Weniger Notfall, mehr Sicherheit: Telemedizin unterstützt Spitex-Teams im Aargau

In einem Pilotprojekt testen Medgate und zwei Spitex-Organisationen den Einsatz von telemedizinischer Expertise in den Wohnungen der Klienten. Sensorikgeräte liefern dabei entscheidende Daten in Echtzeit.

, 25. November 2025 um 09:15
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Vor Ort die Gesundheitsfachpersonen, am Draht die Ärzte: Vorbild MEAS im Appenzell | Bild: PD GZAI
«Bisher mussten unsere Kundinnen und Kunden teilweise frühzeitig hospitalisiert werden, weil die medizinische Ansprechperson zu Randzeiten nicht verfügbar war», sagt Katharina Luzi, Pflegeexpertin bei Spitex Limmat Aare Reuss (LAR). Konkret mussten die Mitarbeitenden der Spitex LAR jeweils nachts und an den Wochenenden – wenn die Hausärztinnen und Hausärzte nicht erreichbar sind – die Ambulanz rufen, wenn sie bei Personen, die sie betreuen, Auffälligkeiten feststellten, die eine ärztliche Konsultation bedingen.
In medizinischen Notfallsituationen wird die Ambulanz auch in Zukunft gerufen. Die Zusammenarbeit zwischen den Spitex-Organisationen und Medgate ist nicht für Notfälle vorgesehen.
Aber: «Unser Pilotprojekt schliesst ausserhalb des Notfall-Settings eine wichtige Lücke», sagt Niklas Malcherek, der bei Medgate das Innovations-Projekt «Telemedizin in Spitex-Organisationen» leitet. «Immer dann, wenn es eine ärztliche Beurteilung braucht, können die Spitex-Mitarbeitenden die erfahrenen Telemediziner unseres Ärzteteams hinzuziehen.»
  • Dieser Beitrag erschien erstmals in der «Spitex-Drehscheibe» unter dem Titel: «Betreuung zu Hause – auch dann, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist».
Der Prozess sieht folgendermassen aus: Bei Bedarf kontaktieren die Spitex-Mitarbeitenden die operative Tagesverantwortung ihrer Spitex-Organisation. Diese beurteilt den Fall und rückt dann in die Wohnung der betroffenen Person aus. «Wir haben uns gemeinsam mit unseren Projektpartnern bewusst dafür entschieden, dass sowohl die Buchung der Telekonsultation als auch das Bedienen des digitalen Sensorgerätes über die für die Tagesverantwortung zuständige Person erfolgt», sagt Niklas Malcherek.
Dies habe auch den Vorteil, dass innerhalb der Spitex-Organisationen der Schulungsaufwand deutlich geringer sei. «Der Prozess ist so aufgegleist, dass wir möglichst wenig Mehraufwand haben in unseren Abläufen», sagt David Tanner, Geschäftsführer CareOne Aarau. Wenn die für die Tagesverantwortung zuständige Person ausrückt, bringt sie auch das digitale Sensorikgerät «DOC2U» mit zu den Klientinnen und Klienten. Mit diesem Gerät können die Spitex-Mitarbeitenden im Auftrag der Medgate-Ärztin oder des Medgate-Arztes Herz und Lunge abhören, Ohruntersuchungen durchführen oder Vitalwerte wie Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung messen.
Die Daten werden in Echtzeit an Medgate übermittelt – so können sich die Ärztinnen und Ärzte auch aus der Distanz ein umfassendes Bild vom gesundheitlichen Zustand der betroffenen Person machen.

Kombiniert: 12 Monate Erfahrung

Die Ärztinnen und Ärzte von Medgate haben bereits seit einem Jahr Erfahrung in der hybriden Zusammenarbeit von Telemedizinern in Kombination mit medizinischem Fachpersonal vor Ort: In der Telemedizinischen Notfallpraxis in Appenzell (MEAS) wird das digitale Sensorikgerät ebenfalls eingesetzt; und die Erfahrungen zeigen, dass sich damit die Behandlungsmöglichkeiten der Telemedizin nochmal erweitern lassen.
Während in der klassischen Telemedizin bei Medgate 50 Prozent aller Fälle fallabschliessend am Telefon gelöst werden können, liegt diese Telecare-Rate in der MEAS bei 69 Prozent.
«Wir sind sehr gespannt, wie sich das im Rahmen des Spitex-Projektes verhalten», sagt Medgate-Projektleiter Niklas Malcherek. Der potenzielle Nutzen für die Spitex-Pflege ist gross: «Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden eine integrierte Versorgung rund um die Uhr anbieten», sagt David Tanner von CareOne. «Nachts und an den Wochenenden, wenn die Hausärztinnen und Hausärzte nicht erreichbar sind, haben wir dies durch das Pilotprojekt mit Medgate-Ärztinnen und -Ärzten.»
Dadurch sei es möglich, auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten eine integrierte Versorgung in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. «Das ist kostensparend und ressourcenschonend.»
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