«Keine Gen Z»: Spitex-Stelleninserat sorgt für Diskussion

Der Fall eines Spitex-Inserats wirft Fragen zur Personalpolitik auf, steht jedoch im Kontrast zu den Bemühungen vieler Anbieter, junge Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.

, 10. Februar 2026 um 09:08
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Symbolbild, erstellt mit KI.
Ein Stelleninserat einer Spitex-Firma hat in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt. Wie «SRF» berichtet, schloss das Unternehmen in einer Ausschreibung für eine Teamleitung in der Pflege Bewerberinnen und Bewerber der Generation Z explizit aus. Angesprochen waren damit junge Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.
In der Stellenanzeige, die auf einer Jobplattform publiziert wurde, machte die Firma deutlich, welche Haltung sie nicht sucht: Erwähnt wurde unter anderem eine «Montag-Freitag-Krankenscheinmentalität». Das Inserat stiess in den sozialen Medien auf breite Kritik. Eine Stellungnahme wollte die Spitex-Firma gegenüber «SRF» nicht abgeben; die Anzeige wurde inzwischen angepasst.
Rechtlich bewegt sich das Unternehmen in einer Grauzone. Anders als etwa in Deutschland gilt hierzulande die Vertragsfreiheit, die es Arbeitgebern grundsätzlich erlaubt, bestimmte Altersgruppen von Bewerbungen auszuschliessen.
Zahlen des Bundesamt für Statistik relativieren zudem die im Inserat mitschwingende Kritik an jungen Arbeitnehmenden. Demnach haben die krankheits- und unfallbedingten Ausfälle in den vergangenen zehn Jahren in allen Altersgruppen zugenommen. Im Jahr 2024 fehlten die 15- bis 24-Jährigen im Schnitt 9,5 Tage.
Zwar lag diese Altersgruppe in den letzten fünf Jahren leicht über dem Durchschnitt der mittleren Jahrgänge, jedoch – mit Ausnahme des Jahres 2022 – unter den Ausfalltagen der 55- bis 64-Jährigen.

Gen Z im Spitex Magazin

Brisant ist der Fall auch vor dem Hintergrund, dass sich die Spitex-Branche selbst intensiv mit der Generation Z auseinandersetzt. So widmete die Spitex Lueg (Region Bern) im vergangenen Jahr ein ganzes Magazin den Erwartungen junger Berufseinsteiger – und wählte dabei einen deutlich anderen Ton.
«Unsere Mitarbeitenden der Generation Z legen grossen Wert auf Begegnungen auf Augenhöhe und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten», sagt Andrea Nyffenegger, Leiterin Pflege bei der Spitex Region Lueg. Entscheidend sei, junge Mitarbeitende in die Vision der Organisation einzubeziehen und Werte im Alltag glaubwürdig vorzuleben.
Auch Wertschätzung sowie zeitnahes, präzises Feedback spielten eine zentrale Rolle. Die Fähigkeit der Generation Z, sich abzugrenzen, bezeichnet Nyffenegger als Stärke, die eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben fördere.
Gleichzeitig bringe diese Generation neue Ideen ein, schätze abwechslungsreiche Tätigkeiten und unterstütze ältere Mitarbeitende mit ihren digitalen Kompetenzen.
Auch Fachleute ausserhalb der Organisationen betonen die Bedeutung eines Kulturwandels. «Die Generation Z sucht Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und flexible Arbeitsmodelle», sagt Amadeo Disasi, Coach und Partner von Kitoko People. Arbeitgeber in der Pflege seien zunehmend gefordert, ihre Arbeitsbedingungen und Führungskultur darauf auszurichten.
Ähnlich äussert sich André Pfanner-Meyer, Geschäftsführer der OdA Gesundheit Bern. Studien zeigten, dass die Generation Z grossen Wert auf Selbstständigkeit, Mitbestimmung und Freude an der Arbeit lege. Gleichzeitig wolle sie Arbeit und Privatleben klarer voneinander trennen – ein Bedürfnis, das zunehmend unter dem Begriff «Work-Life-Separation» diskutiert wird.

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