Spitalzentrum Biel: Kein Defizit – erstmals seit Jahren

Das SZB erreichte im abgelaufenen Jahr eine schwarze Null. Ausschlaggebend war – ausgerechnet – der Ausbau der ambulanten Fälle.

, 5. Januar 2026 um 05:26
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Gynäkologischer Eingriff im Bieler OP-Zentrum «Medin au Lac»  |  Bild: Screenshot SRF
Ein erstes Signal zum Verlauf des Spitaljahres 2025 kommt aus Biel: Das dortige Spitalzentrum erzielte im letzten Jahr eine «schwarze Null», wie CEO Kristian Schneider in einem Beitrag der SRF-Sendung «10 vor 10» sagte. 2024 hatte das SZB noch einen Verlust von 1,8 Millionen Franken vermeldet, 2023 waren es sogar 9,3 Millionen Franken gewesen.
Bemerkenswert ist die Meldung, weil sie in einem Beitrag zum Thema Ambulantisierung fiel. Hier decken die Tarife oft die Kosten nicht – und gerade in diesem Bereich baut das Bieler Spital stark aus. Es führt inzwischen ein grosses Ambulatorium beim Bahnhof der Stadt sowie ein ambulantes OP-Zentrum in Seenähe; bis 2027 soll zudem ein eigenes Kinderambulatorium entstehen.
Im vergangenen Jahr seien nun keine Defizite mit ambulanten Eingriffen aufgelaufen, erklärte CEO Schneider im TV-Beitrag: «Grundsätzlich bringt die organisatorische Trennung auf zwei Standorte – mit stationär im Spital, ambulant am Bahnhof – den Vorteil, dass die Leute effizienter arbeiten können.»

Bieler Modell soll national werden

Doch entscheidend war vor allem das Pilot-Tarifmodell, welches das SZB im Frühjahr 2025 gemeinsam mit der Einkaufsgemeinschaft HSK sowie dem Kanton Bern einführte. Hier ist der finanzielle Anreiz so gestaltet, dass das Spital einen höheren Beitrag erhält, je mehr Behandlungen es vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert. Dabei werden ausschliesslich Eingriffe berücksichtigt, die nicht zuvor bereits ambulant erfolgten und die nicht ohnehin auf der AVOS-Liste stehen. Belohnt wird also ein Sondereffort.
Dies soll einerseits pro Fall 1300 Franken an Gesamtkosten einsparen – während das Spital andererseits höhere Entschädigungen erhält als die herkömmlichen ambulanten Tarife. Im vergangenen Jahr wurden so rund 500 Eingriffe in Gynäkologie, Orthopädie und HNO, die zuvor stationär durchgeführt worden waren, ins ambulante Setting verlagert.
Wie HSK-Geschäftsführerin Eliane Kreuzer im «10 vor 10»-Beitrag sagte, wird das Bieler Modell nun in der ganzen Schweiz ausgerollt: Die Einkaufsgemeinschaft von Helsana, Sanitas und KPT werde es 2026 bei den Verhandlungen mit allen Spitälern thematisieren.
Bereits bekannt ist, dass die Tessiner Kantonsspital-Gruppe EOC in den kommenden zwei Jahren dasselbe Prinzip anwenden will. Dabei sollen jährlich 900 bis 1300 Fälle von stationären zu ambulanten Behandlungen verlagert werden.

Zum TV-Beitrag: «Mehr ambulante Fälle – trotzdem eine schwarze Null», «10 vor 10», 24. Dezember 2025. Dauer: 4:50 Minuten.


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