Spital Wallis: Babyklappe seit zehn Jahren ungenutzt

Das erste Babyfenster der Westschweiz wurde am 1. Februar 2016 in Sitten eingeweiht – und bis heute nie genutzt. Warum das kein schlechtes Zeichen ist.

, 3. Februar 2026 um 05:32
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Symbolbild: Luma Pimentel / Unsplash.
Als erster Kanton der Westschweiz und achter Kanton der Schweiz richtete das Wallis im Februar 2016 eine «Babyklappe» ein. Diese wurde im Spital Sitten aufgestellt – und bis heute noch nie benutzt.
Das im Grossen Rat beschlossene Walliser Projekt «boîte à bébés» sollte als zusätzliches Angebot für die «16 Prozent Schwangerschaften mit psychosozialem Risiko» dienen, wie eine Reportage des «RTS» 2016 betonte. Der Grundgedanke war, dass die Rettung eines Lebens Vorrang vor rechtlichen Aspekten haben sollte, insbesondere angesichts des Risikos der Kindstötung durch Eltern in extremer Notlage.

Zwanzig Jahre Babyfenster in der Schweiz

  • Im September 2002 wurde in Einsiedeln (Kanton Schwyz) das erste Kind in eine Babyklappe gelegt. Seitdem wurden acht weitere Babyklappen in Bern, Basel, Olten (SO), Zollikerberg (ZH), Davos (GR), Bellinzona (TI) und Sion eingerichtet.
  • Das Prinzip ist einfach: Durch ein Fenster, das in das Innere des Spitals führt, kann ein Elternteil anonym seinen Säugling in eine Wiege legen. Drei Minuten später wird ein Alarm ausgelöst und das Personal kümmert sich um das Kind.
  • Die Eltern haben drei Monate Zeit, um sich zu melden. Nach Ablauf dieser Frist wird das Kind der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) übergeben, um ein Adoptionsverfahren einzuleiten.
  • Schweizweit wurden in zwanzig Jahren 27 Neugeborene abgegeben. Die Hälfte der Mütter meldeten sich, mehrere von ihnen holten ihren Säugling schliesslich zurück.
Bis heute ist die im Spital Wallis in Sitten eingerichtete Babyklappe die Einzige in der Westschweiz. Zum Einsatz kam sie allerdings noch nie. «Einige könnten es als Misserfolg ansehen. Das Gegenteil ist der Fall», kommentierte Juan Llor, Leiter der Abteilung für Pädiatrie am Spital Wallis, gegenüber «Le Nouvelliste». Vielmehr zeige es «die Effizienz unseres Perinatalnetzwerks, das werdenden Müttern eine umfassende Betreuung und eine angemessene Begleitung bis zur Geburt bietet».
Schliesslich führte das Spital Wallis 2016 auch ein System für vertrauliche Geburten ein, das den Müttern die Möglichkeit bietet, anonym zu gebären und dabei eine umfassende medizinische und psychologische Betreuung zu erhalten.
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