Medikamente: Tiefere Preise gefordert, höhere bewilligt

Politische Vorstösse verlangen Zurückhaltung bei Medikamentenpreisen. Gleichzeitig genehmigt das BAG Preiserhöhungen, um die Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln sicherzustellen.

, 2. Februar 2026 um 13:06
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Das Bundesamt für Gesundheit in Liebefeld bei Bern.
Eine Standesinitiative des Kantons Jura vom Dezember 2019 fordert langfristig eine Senkung der Medikamentenpreise. Zudem verlangt SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen vom Bundesrat mit einer Motion, «auf Erhöhungen der Medikamentenpreise im Rahmen des US-Zollstreits zu verzichten.»
Die Standesinitiative dürfte in der kommenden Frühjahrsession abgeschrieben werden. Dies empfiehlt zumindest die vorberatende Kommission.
Die Motion Wasserfallen wurde hingegen an die zuständige Kommission überwiesen. Sie soll dort gemeinsam mit einer weiteren Motion des Bündner FDP-Ständerats Martin Schmid behandelt werden. Schmid - er ist unter anderem Verwaltungsrat des Zofinger Pharma-Unternehmens Siegfried - will die Versorgungssicherheit und einen raschen Zugang zu innovativen Medikamenten gewährleistet haben.
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Dies führt zwangsläufig zu höheren Preisen. In einzelnen Fällen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagiert. Im zurückliegenden Jahr bewilligte es bei 14 Medikamenten Preiserhöhungen - eben «um die Versorgung zu stärken». In weiteren 120 Fällen verzichtete das BAGauf eine Preissenkung.
Das BAG wörtlich: «Die Daten des Jahres 2025 zeigen, dass Preise und Kosten für Medikamente erneut gestiegen sind».
Insgesamt schloss das BAG im vergangenen Jahr 202 Gesuche zu wichtigen Anpassungen der Spezialitätenliste ab. Damit wurde der Zugang zu 39 neuen Medikamenten und 52 neuen Indikationen ermöglicht – so viele wie noch nie.
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Laut BAG zeigen Analysen aus dem Jahr 2025, dass die Kosten für Medikamente der OKP seit 2014 überdurchschnittlich stark um über 50 Prozent angestiegen sind. Damit seien Medikamente um 15 Prozent stärker gewachsen als der Durchschnitt anderer Leistungen.
Und weiter: «Neben den weiteren Verbesserungen beim Zugang zu neuen lebenswichtigen Medikamenten und bei der Versorgung mit Medikamenten in der Schweiz sind daher auch kostendämpfende Massnahmen notwendig, damit das Gesundheitssystem bezahlbar bleibt.»
Das BAG dürfte dabei auch ans Kostenfolgemodell gedacht haben, das im Rahmen des Kostendämpfungspakets vom Parlament beschlossen wurde.




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