Schliessung der Inneren Medizin in Riaz: Welle von Reaktionen

«Alles ist voll. Wo sollen die Leute denn hin?» Nach der Ankündigung des Freiburger Spitals HFR, die Innere Medizin am Standort Riaz zu schliessen, kommt viel Widerspruch auf.

, 7. Februar 2025 um 14:12
image
Circa 25 Kilometer Distanz: HFR-Standorte in Riaz und Freiburg  |  Bild: Google Earth, bearb. Medinside.
Das Freiburger Spital HFR kündigte letzte Woche eine umfassende Reorganisation an – was auch eine Folge des für 2025 erwarteten Defizits von knapp 30 Millionen Franken ist. Zu den geplanten Massnahmen gehören die Streichung von 90 vollzeitäquivalenten Stellen sowie die Verlegung der Abteilung für Innere Medizin vom Standort Riaz ins Kantonsspital nach Freiburg.
Diese Entscheidung hat nun eine Welle von Reaktionen unter den Angehörigen der Gesundheitsberufe und den gewählten Vertretern aus.

Sorge um Ausbildung

Parallel zur für Herbst 2025 geplanten Schliessung der Inneren Medizin will die HFR-Leitung das geriatrische Angebot in Riaz stärken. Doch für einige Ärzte stehen die Sorgen um die Patientenbetreuung und die Organisation der Versorgung im Zentrum.
In «La Liberté» erklärte die Präsidentin der Freiburger Ärztegesellschaft, Anouk Osiek Marmier, dass die Grundversorger eng mit der Inneren Medizin in Riaz zusammenarbeiten und dass die Zentralisierung diesen Dialog erschweren wird.
«Die Grundversorger arbeiten eng mit der Inneren Medizin in Riaz zusammen. Mit der Zentralisierung wird dieser Dialog schwieriger werden.»
Eine entscheidende Frage sei auch, wie die Patienten reagieren werden. Einige lehnen eine Hospitalisierung an einem anderen Standort als in Riaz ab, so dass die Hausärzte gezwungen sind, Fälle, die eine Hospitalisierung erfordern, in der Praxis zu behandeln.
Diese Befürchtung wird von mehreren Politikern geteilt. In «La Liberté» kritisierte Annick Remy-Ruffieux (Mitte) eine «übertriebene Zentralisierung» und meinte, die Kantonsspital-Gruppe HFR verpasse eine Gelegenheit, rentable Dienstleistungen anzubieten, während private Akteure ihre Präsenz in Bulle verstärkten. Benoît Glasson (FDP) äusserte sich ebenfalls besorgt über eine Tendenz, alles wieder zu zentralisieren – statt die bestehenden Standorte zu stärken.

Regional-Problem

Angeführt wird auch die Sorge, dass der südliche Teils des Kantons für junge Ärzte an Anziehungskraft verlieren könnte. In «La Gruyère» erinnert eine Gesundheitsangestellte daran, dass diese Schliessung in Riaz die Anzahl der Ausbildungsplätze für Assistenzärzte für Innere Medizin sesnken wird – also für die künftigen Allgemeinmediziner in der Region.
«Obendrein wird diese Schliessung die Ausbildungsplätze für Assistenten für allgemeine innere Medizin, die unsere zukünftigen Hausärzte sind, verringern.» -Anouk Osiek Marmier
Der Pflege-Berufsverband SBK Freiburg reagierte ebenfalls: Auf LinkedIn äusserte er seine Unterstützung für das Pflegepersonal und prangerte «drakonische Massnahmen an, bei denen nicht viel Platz für Menschliches bleibt».

Personal unter Druck

In «La Liberté» berichtet Estelle Zermatten, eine Angestellte des HFR, von der Sorge der Pflegekräfte angesichts dieser aufeinanderfolgenden Reorganisationen: «Diese Ankündigungen sind für das Personal von Riaz schwierig, da einige von ihnen in letzter Zeit bereits mehrmals den Dienst gewechselt haben. Dies wirft die Frage nach der Stabilität und dem Vertrauen gegenüber dem Arbeitgeber auf.»
Neben der beruflichen Ungewissheit stellt die Umstrukturierung die betroffenen Beschäftigten auch vor logistische Herausforderungen – längere Pendelzeiten, Umorganisation für Familien et cetea.
Die politischen Reaktionen gehen weiter. Grossrat Jean-Pierre Doutaz meinte: «Ich hoffe, dass diese Restrukturierung den Zugang zur Gesundheitsversorgung sichern und das Kantonsspital stärken soll und nicht einer reinen Sparlogik folgt. Es darf nicht zu mehr ausserkantonalen Spitaleinweisungen kommen», so der Mitte-Politiker in «La Liberté».
Auf Seiten der SP warnte Grégoire Kubski vor einer Schließung der Entbindungsstation und der Notaufnahme: «Wird man uns in zwei Jahren sagen, dass auch die Akutgeriatrie gehen muss und dass Riaz ein Pflegeheim+ wird?»
Marie Levrat (SP) warnte vor einer erhöhten Arbeitsbelastung für die Angestellten, obwohl keine direkten Entlassungen geplant sind: «Der Abbau von 90 Stellen, auch ohne Entlassungen, ist besorgniserregend. Der Druck auf die Angestellten wird zunehmen.»

«Alles ist voll. Wo sollen

Ein weiterer kritischer Punkt: die Information der Sozialpartner. In «La Gruyère» beklagte Rachel Bourguet, Präsidentin des SBK Freiburg, dass das HFR sie erst eine Stunde vor der offiziellen Ankündigung informiert habe. Und sie wies darauf hin, dass es keinen klaren Plan gibt, um die Schliessung der 28 Betten für Innere Medizin in Riaz zu kompensieren: «Alles ist voll. Wo sollen diese Leute untergebracht werden? Gestern Morgen waren laut HFR 16 Patienten der Inneren Medizin in der Chirurgie oder Orthopädie untergebracht - was in der Winterzeit üblich ist, wenn die Belegungsrate stark schwankt», so Rachel Bourguet.
Der SBK Freiburg schliesslich kritisiert, dass die Massnahmen das Defizit des HFR ohnehin nur vorübergehend reduzieren werden: «Man weiss heute, dass man die Spitalaufenthalts-Dauer verkürzen und Rehospitalisierungen vermeiden kann, wenn man das Personal verstärkt. Aber solange die Spitalleistungen nicht angemessen vergütet werden, macht sie sich keine Illusionen.»
  • akut
  • innere medizin
  • hfr
  • freiburger spital
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Neue HR-Chefin für das Spitalzentrum Oberwallis

Patricia Fux löst im März Dominik Lorenz als HR-Leiterin ab

image

Centre Hospitalier du Valais Romand: Neuer Direktor

Gianni Saitta wechselt vom Kanton Waadt ins Spital Wallis. Er tritt im Mai 2026 die Nachfolge von Chrystel Carrupt an.

image

Spitalzentrum Oberwallis: Neuer Chefarzt und Leiter Pneumologie

Das Spital Wallis hat Leander Gonzalez zum Chefarzt und Abteilungsleiter Pneumologie am SZO ernannt. Er war dort seit 2021 als Leitender Arzt tätig.

image

Keine Journalisten im Arztkittel im Spital Wallis

So dreist sind Medienschaffende nicht: Gerüchte, wonach Journalisten in weissen Kitteln versucht hätten, Zugang zu Patienten zu erhalten, erweisen sich als unwahr.

image
Gastbeitrag von Guido Schommer

Mehr Planung, weniger Vielfalt? Die Risiken des GDK-Dreiphasenplans

Die kantonalen Gesundheitsdirektoren wollen die Spitalplanung stärker koordinieren. Doch damit droht eine Beplanungsübung, die kleinere Anbieter benachteiligt und die Versorgung in Randregionen gefährden könnte.

image

Spitalzentrum Oberwallis bekommt neue ärztliche Direktorin

Njomeza Susuri Pfammatter wird ab November 2026 Ärztliche Direktorin des Spitalzentrums Oberwallis. Sie tritt die Nachfolge von Reinhard Zenhäusern an, der in den Ruhestand tritt.

Vom gleichen Autor

image

Frankreichs Ärzte streiken, die Notaufnahmen sind überlastet

Quoten und niedrigere Tarife: Viele französische Ärzte und Chirurgen in Privatkliniken beteiligen sich an einem Streik von bisher unbekanntem Ausmass.

image

Waadtländer Spitäler: 176 Millionen für Epic

Nun wurde der Gesamtpreis für die Beschaffung eines neuen Klinik-Informationssystems für das CHUV und elf Regionalspitäler bekannt. Er erstaunt.

image

Neuenburg: Kantonsspital übernimmt Praxis-Gruppe

Vier Zentren der Gruppe Volta sowie deren medizinische Bereitschaftsdienste werden unter die Leitung des Neuenburger Spitalnetzes RHNe gestellt.