Kein Fax, kein Handy, keine Webseite. Nur mit Schreibmaschine und Telefonanschluss führt Geschäftsführer Daniel Rüegg die Krankenkasse Turbenthal. Die «Daten» von rund 400 Versicherten hält Rüegg auf Karteikarten fest.
Oft haben neue Verordnungen «seine Kasse» bedroht. Und seit eh befindet sich die Krankenkasse im Clinch mit dem Bundesamt für Gesundheit
(BAG). Denn aus Bundesamts-Sicht ist die Krankenkasse wohl zu anachronistisch.
Bundesamt will Digitalisierung
Das BAG verlangt von der Krankenkasse per Verfügung im Wesentlichen eine «differenzierte Lieferung» der Daten, die Einführung elektronischer Versichertenkarten und die Teilnahme an einer Plattform für Prämienverbilligungen.
Daniel Rüegg zeigt sich kämpferisch
Kurz: Die Krankenkasse Turbenthal müsste auf Computer umstellen. Dies würde die Verwaltungskosten massiv ansteigen lassen – laut Rüegg um 65 Prozent.
In der Konsequenz müsste die Kasse Rüegg zufolge aufgelöst oder in eine Grosskasse integriert werden. So weit will es der 63-Jährige aber nicht kommen lassen. Er will vor Bundesverwaltungsgericht kämpfen, wie er der Lokalzeitung sagte.
Ein-Mann-Betrieb mit günstigen Prämien
Die Krankenkasse Turbenthal existiert seit 1888; seit rund 30 Jahren führt Daniel Rüegg die Geschäfte als Präsident und Geschäftsführer. Alle 400 Versicherten sind ihm persönlich bekannt. Die Krankenkasse bietet exklusiv für Einwohner der Gemeinden Turbenthal, Wila und Wildberg im zürcherischen Tösstal eine Grundversicherung mit Franchise von 300 Franken an – relativ günstig. Noch vor 50 Jahren hatten viele Gemeinden der Schweiz ihre eigenen Kassen. Von ehemals knapp 1’000 Kassen sind nach Fusionen und Übernahmen heute nur noch wenige übrig
(mehr hier).- TV-Beitrag auf SRF: «Seit 1888 ohne Computer: Eine Kleinkrankenkasse jubiliert.» September 2013