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«DeinDoktor» können die Patienten nun online bei den angeschlossenen Ärzten vorsprechen. Die Auswahl ist noch klein, derzeit sind rund 80 Ärzte über «DeinDoktor» erreichbar – etwa Allgemeinpraktiker, Dermatologen, Schönheitschirurgen, Psychiater.
Zwar gibt es bereits allerlei Formen und Angebote in der medizinischen Online- und Tele-Beratung. Die Eigenart dieses Bildschirm-Angebots wäre jedoch:
- Während der Behandlung kann der Arzt dem Patienten ein elektronisches Rezept ausstellen. Dieses kann von den Apothekern online überprüft werden.
- Nach der Online-Sprechstunde erstellt das System automatisch eine Arzt- Rechnung, die gemäss Tarmed-Tarifsystem berechnet und der Krankenversicherung als Rückerstattungsbeleg eingereicht werden kann.
Auf «DeinDoktor» wird den Patienten eine Service-Pauschale von 9,99 Franken für die Bereitstellung des Online-Dienstes verrechnet. Eine 10-minütige Sprechstunde mit einem qualifizierten Arzt im Kanton Zürich kostet also beispielsweise 33,70 Franken, wovon 23,71 Franken rückerstattbar sind.
Die Verbindung zum Arzt wird über eine sichere und zertifizierte Peer-to-Peer-Verbindung direkt im Web-Browser hergestellt.
Aus Mallorca zum Hausarzt
Eine Idee hinter der Plattform ist, dass die Patienten auch bei Abwesenheit ihren Hausarzt kontaktieren können – etwa während den Ferien oder bei einer Geschäftsreise.
Zweitens erhalten Bewohner abgelegener Gegenden einen leichteren Zugang zu Fachspezialisten aus grösseren Städten. Dies könnte einerseits für Vorabklärungen, andererseits für Nachbehandlungen von Vorteil sein.
Die Ärzte wiederum finden über den Online-Kanal neue Patienten – und ihr Wartezimmer wird entlastet.
Kann man so Ärzte austricksen?
Die Firma dahinter heisst DeinWeb AG und hat ihren Sitz in Wollerau (SZ). Sie entstammt aber dem Innovationspark der EPFL und wurde auch von ehemaligen Studenten der Lausanner Hochschule aufgebaut; die Firmengründung erfolgte im Herbst 2014. Aktiv ist die «DeinDoktor»-Site seit Frühjahr. Jetzt findet die offizelle Lancierung statt.
Natürlich sorgen derartige Angebote auch für kritische Fragen. Peter Tschudi vom
Basler Universitätsinstitut für Hausarztmedizin befand beispielsweise, es sei unmöglich, dass sich der Arzt lediglich über den Bildschirm ein genaues Bild vom Zustand des Patienten machen könne. Gegenüber dem Mobile-Newsportal
«Watson» warnte Tschudi daher unlängst, er könne sich vorstellen, dass solche Telemed-Angebote einen Anreiz bieten, den Doktor auszutricksen und sich Arztzeugnisse zu erschleichen.
Ein Sprecher von Santésuisse äusserte andererseits eine Einspar-Hoffnung: «Möglicherweise erfüllen die Online-Sprechstunden eine Art ‹Sortierfunktion› und verhindern, dass Patienten direkt zum Spezialisten gehen – was immer teurer ist als ein Besuch beim Hausarzt.»
Entscheidend wird wohl sein, was das Publikum wünscht – Ärzteschaft wie Patienten.
«Watson» machte dazu im April eine Leserumfrage: Ob man das Angebot einer Online-Sprechstunde nutzen würde? 36 Prozent klickten «Auf jeden Fall».
Und 20 Prozent des – mehrheitlich jungen und webaffinen «Watson»-Publikums – meinten: «Vielleicht».
Siehe auch: «So finden Patienten künftig Therapeuten»