Die Interpellation trug bereits einen vielsagenden Titel: «Was ist los am Spitalzentrum Biel?», fragten zwei SP-Parlamentarierinnen im September bei der Berner Kantonsregierung an. Sie verwiesen auf Berichte über Unruhe und Abgänge am zweitgrössten Spital des Kantons, und sie wollten wissen, was dran sei.
Jetzt hat der Regierungsrat
die Antwort geliefert, und sie macht klar: Es ist etwas los. Denn in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres hatten 144 Mitarbeitende gekündigt, inklusive Frühpensionierungen. Zur Einordnung: Das
Spitalzentrum Biel hatte Ende letzten Jahres knapp 1'000 Vollstellen beziehungsweise 1'300 Mitarbeitende.
Die Gründe? Nicht zentral erfasst
Bedenkt man noch weitere Abgänge – etwa ordentliche Pensionierungen, allenfalls vereinzelte Entlassungen –, so belegen die Zahlen doch einen spürbaren Aderlass. Eine Erklärung könne er nicht liefern, so die Antwort des Regierungsrates, da die Gründe nicht zentral erfasst würden.
Heikel sei, dass der Weggang von Kaderärztinnen und -ärzten zu finanziellen Einbussen führen kann, befindet der Regierungsrat weiter. Denn bekanntlich folgen ihnen dann oft auch die Patienten und die Zuweiser. «Die Einbussen werden grösser, wenn kurzfristig mehrere Kaderärztinnen und -ärzte kündigen. Davon ist die SZB AG derzeit betroffen.»
Finanziell knapp dran
Was insofern auch problematisch ist, als das Zentrumsspital der Region Biel, Seeland und Berner Jura zuvor schon finanziell unter Druck war; 2016 und 2015 hatten sich kleine Verluste von 0,4 Millionen beziehungsweise 0,6 Millionen Franken ergeben. Letzten September sagte Verwaltungsratspräsident Frey Sidler gegenüber dem
«Bund», man werde 2017 «sicher deutlich schlechter abschliessen». Und: «Die Herausforderung ist nun, ein ausgeglichenes Budget für 2018 auszuarbeiten.»
Wie seither bekannt wurde,
schloss das Spitalzentrum eine Bettenstation, was sich auch mit ungenügender Auslastung erklärte. Und seit Frühjahr hatten unter anderem vier Chefärzte das Spitalzentrum verlassen beziehungsweise ihr Ausscheiden angekündigt – in Onkologie, Intensivmedizin, Kardiologie und Geburtshilfe.
Geleitet wurde das Spitalzentrum im fraglichen Zeitraum von
Bruno Letsch, der per Ende September zurückgetreten war. Zum neuen CEO wurde inzwischen
Kristian Schneider ernannt, zuvor Direktor des Hôpital du Jura. Parallel dazu kam es zu weiteren Rochaden: Mit
Alois Liechti tritt ein neuer Leiter Finanzen und mit
Anita Ronchetti eine neue Leiterin Human Resources in die Geschäftsleitung ein. Und zur Stärkung der ärztlichen Vertretung im Führungsgremium haben seit Oktober interimistisch
Daniel Genné (Chefarzt Medizinische Klinik) und
Carsten Viehl (Chefarzt Chirurgische Klinik) in die Geschäftsleitung Einsitz genommen.