Herzchirurgie: Spezialisten warnen vor Überangebot

Das Kantonsspital Freiburg will in die Herzchirurgie investieren. Nun warnt die Gesellschaft Swisscardiac, mit der Eröffnung neuer Herzzentren sinke die Qualität der Medizin.

, 9. Oktober 2015 um 08:53
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In der Schweiz haben 18 Spitäler eine herzchirurgische Abteilung für Erwachsene. In der neuen «Ärztezeitung» werfen der Präsident und der Sekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefässchirurgie (Swisscardiac) die Frage auf, ob dies für das kleine Land nicht zu viel sei und ob nicht bereits heute ein Überangebot bestehe.
Michele Genoni und Mario Stalder stellen bei ihren Überlegungen das Wohl der Patienten ins Zentrum: Bei hochkomplexen Eingriffen hätten diese bessere Chancen, wenn das Operationsteam erfahren sei und regelmässig operiere. 

Fallzahlen werden nicht erfüllt

Anlass für den Beitrag ist das Vorhaben des Kantonsspitals Freiburg, in die Herzchirurgie zu investieren und programmierte Eingriffe selber zu übernehmen. Kämpft nun mit Freiburg eine weitere Klinik um Patienten, sinken die Fallzahlen in anderen Spitälern. Bereits heute können laut Genoni und Stalder nur eine Minderheit der herzchirurgischen Kliniken die empfohlenen Mindestfallzahlen von 200 Bypassoperationen pro Klinik und Jahr erfüllen. 
Die Autoren weisen als weiteren Punkt auf den Mangel an Ärzten und Ressourcen hin, welcher eine weitere Herzchirurgieabteilung nicht sinnvoll erscheinen lasse. «Mittel- und langfristig gefährdet die Eröffnung neuer herzchirurgischer Abteilungen die medizinische Versorgung im Allgemeinen und führt zu beträchtlichen Einbussen in der Qualität der Medizin», schreiben Genoni und Stalder.
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