Erstmals zugelassen: EKG-Gerät am Handgelenk

Damit zeichnet sich ab, dass EKG's zum Allerweltsgut werden – und beim Erkennen von Vorhofflimmern fahnden die Betroffenen bald schon stärker mit.

, 4. Dezember 2017 um 09:09
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Die amerikanische Gesundheitsaufsicht FDA hat erstmals ein EKG-Messgerät bewilligt, das sich via Apple Watch am Handgelenk tragen lässt; die Zulassung bedeutet, dass das Gerät als Medizinalprodukt – und allenfalls auch auf Rezept – verwendet werden darf.
Das so genannte Kardiaband der kalifornischen Firma Alivecor ist in der Lage, Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern zu entdecken und darauf zu vermelden. Dazu wird es einfach an eine Apple Watch angeschlossen, wo die entsprechenden EKG-Kurven aufgezeichnet und ersichtlich gemacht werden.

Das Gerät lernt den Herzrhythmus

Das Paket wir ab sofort für gut 200 Franken vermarktet. Dazu gehört dann auch eine Software, welche den normalen Herzrhythmus notiert, quasi lernt, und dann allfällige Abnormalitäten feststellt.
Das Prinzip ist nicht weiter neu. Apple selber hat in seine Smartwatch eine Pulsmess-Funktion eingebaut, die laut ersten klinischen Studien ebenfalls in der Lage ist, wichtige Abweichungen zu erkennen. Und dies mit steigender Präzision. Dieses Angebot hat aber noch keine Zulassung einer Medtech-Aufsichtsbehörde.

Bislang sagte jeder Arzt: Machen wir ein EKG

Worin liegt der Unterschied? Dies erklärte der CEO von Alivecor, Vic Gundotra,  im Fachorgan «Techcrunch»: «Apple mag in der Lage sein zu sagen: “Oh, dein Puls ist hoch…” Aber was bedeutet das? Heisst das, dass du ins Spital solltest? Und was geschieht, wenn du ins Spital gehst? Jeder Arzt wird dann sowieso sagen: Gut, machen wir ein EKG.»
Dass Vorhofflimmern einfach zuhause festgestellt werden kann, sei zuvor ohnehin nicht möglich gewesen.
Klar ist: Mit dem neuen Angebot werden EKG von einem Medtech-Angebot für Ärzte und von Ärzten zu einem Allerweltsgut. Umgekehrt bekommen auch die Ärzte rascher Herzrhythmus-Daten: Denn das Alivecor-Band beziehungsweise die Software ist auch in der Lage, die Aufzeichnungen beispielsweise dem Hausarzt zu senden.

Film: So funktioniert das Kardiaband


  • FDA-Bewilligung: Zur Mitteilung von Alivecor

Apple startet eigene Herzrhythmus-Studie

Gemeinsam mit Forschern der Stanford University testet der kalifornische IT-Riese, wie verlässlich die EKG- und Herzrhythmus-Messungen seiner Apple-Watch sind. Über eine App können sich Besitzer der Smartwatch beteiligen (allerdings nur mit Wohnsitz USA).
Danach werden die Herzrhythmen der Probanden stetig überwacht. Falls die Apple Watch Hinweise auf ein Vorhofflimmern entdeckt, erhält der Besitzer einen Hinweis aufs Gerät – mit der Aufforderung sich an einen der Ärzte zu wenden, die sich an der Studie beteiligen. 
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