Apotheken verlieren bald Einnahmen aus Schnelltests

Ab Oktober zahlt der Bundesrat keine Schnelltests mehr für Symptomlose. Darunter leiden werden wohl die über 400 Apotheken, die solche Tests anbieten.

, 25. August 2021 um 13:24
image
  • apotheken
  • coronavirus
  • schnelltest
  • wirtschaft
Den Apotheken wird ab Oktober eine Einnahmequelle wegfallen: Der Bundesrat hat beschlossen, keine präventiven Schnelltests für Symptomlose mehr zahlen. Das heisst: Ungeimpfte können nicht mehr schnell in der Apotheke gratis einen Test machen lassen, um dann Einlass in eine Veranstaltung oder einen Freipass für eine Reise ins Ausland zu erhalten.

Kein Zertifikat mehr für präventive Tests

Konkret heisst das: Ab dem 1. Oktober 2021 müssen Personen, die sich testen lassen, um ein Zertifikat zu erhalten, den Test selber bezahlen. Der Bundesrat erachtet es nun nicht mehr als die Aufgabe der Allgemeinheit, die Testkosten für Personen zu übernehmen, die nicht geimpft oder nicht genesen sind.

Vortäuschen von Symptomen nützt nichts

Es gibt viele Ausnahmen: So werden Tests für Personen mit Symptomen  weiterhin vom Bund übernommen. Auch Antigen-Schnelltests für Personen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, sowie Tests für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren werden weiterhin vom Bund bezahlt.
Gratis sind die Tests ausserdem für Pesonen, die ein Heim oder ein Spital besuchen. Allerdings gibt es für die Gratistests kein Zertifikat mehr, wenn sie negativ sind. Bei einem negativen Testresultat wird anstelle eines Zertifikats eine Bescheinigung ausgestellt. So will der Bund verhindern, dass mit vorgetäuschten Symptomen ein Gratis-Zertifikat erschwindelt werden kann.

Apotheken haben viel investiert

Wer sich ab Oktober ohne Symptome testen lassen will und ein Zertifkat möchte, muss künftig mindestens 47 Franken für einen Schnelltest zahlen. Die Schnelltests seien für die Apotheken «kein grosses Geschäft», sagt Yves Zenger, Mediensprecher des Apothekerverbands Pharmasuisse, gegenüber Medinside.
Freuen über den Entscheid des Bundesrats dürften sich die rund 440 Apotheken, die Schnelltests anbieten, trotzdem nicht. «Sie haben sich organisieren müssen und haben investiert, um Tests anzubieten», gibt Zenger zu bedenken. Es brauche Infrastruktur, zusätzliches Personal und häufig auch längere Öffnungszeiten.

Viele Apotheken in Zürich und in der Westschweiz

Zenger gibt aber auch zu bedenken: «Es ist nicht absehbar, ob die Zahl der Tests zurückgehen wird mit der jetzt vorgeschlagenen 3G-Zertifikate-Pflicht.» Im Moment sei die Nachfrage nach wie vor da.
Sollten aber die Tests ab 1. Oktober tatsächlich einbrechen, müssten die Apotheken die extra aufgestellte Testinfrastruktur im Oktober zumindest reduzieren oder sogar wieder ganz zurückbauen. «Aber», ergänzt Zenger, «sie hätten auch mehr Zeit, um andere Dienstleistungen anzubieten, wie zum Beispiel Impfungen.»
Nicht überall in der Schweiz haben sich die Apotheken gleichermassen aufs Testen eingelassen. Viele Testapotheken gibt es im Raum Zürich, in Lausanne, Genf und in Basel.

Pharmasuisse stellt sich nicht gegen den Bund

Pharmasuisse ist der Meinung, dass die Gratis-Schnelltests in den Apotheken einen niederschwelligen Zugang schaffen und deshalb helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Trotzdem werde sich Pharmasuisse nicht gegen die Beschlüsse des Bundes stellen, betont Zenger.
Bundesrat Alain Berset schätzte kürzlich, dass mit der Streichung der Gratistests in den kommenden Monaten 600 Millionen Franken gespart werden könnten.

Bund nimmt künftig Ansteckungen in Kauf

Die Massnahme ist eine Folge des generellen Strategiewechsels, den der Bundesrat vollzieht: Er will nicht mehr die Fallzahlen möglichst tief halten, nimmt also Ansteckungen in Kauf. Künftig will er nur noch verhindern, dass die Spitäler überlastet werden.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Impfen in Apotheken: Hoffnung durch neue Gesetzesinitiativen

Trotz nationaler Vorgaben bleibt das Impfen in der Schweiz ein Flickenteppich: Apotheker dürfen nur eingeschränkt impfen. Doch das wird sich bald ändern.

image

Luzern will wieder eine Long-Covid-Anlaufstelle

Die Sprechstunde am Luzerner Kantonsspital wurde im Frühling geschlossen. Nun fordert die Gesundheitskommission ein überkantonales Angebot.

image

In Bern steht die Selbstdispensation wieder zur Debatte

Der jahrelange Konflikt zwischen Apothekern und Ärzten könnte in eine neue Runde gehen: Eine kantonale Motion fordert, dass künftig alle Arztpraxen Medikamente verkaufen dürfen.

image

Impfen in der Apotheke: Auch in Zürich wird mehr möglich

Damit erlauben bald acht Kantone alle Impfplan-Impfungen durch Apotheker.

image

HUG: Ein Pharmamobil für mehr Arzneimittel-Wissen

Das Schulungsprogramm des Genfer Universitätsspitals bringt Informationen rund um Arzneimittel in Schulen, Gesundheitsinstitutionen und zu Patienten.

image

Mehr als die Hälfte der Medikamente war zu teuer

Nach der diesjährigen Arzneimittelüberprüfung des BAG sinken die Listenpreise von 300 Produkten.

Vom gleichen Autor

image

Medikamente: Diese fünf Irrtümer müssen alle kennen

Epinephrin statt Ephedrin? Solche Verwechslungen können tödliche Folgen haben. Gut zu wissen, wo die grössten Gefahren lauern.

image

«Hausarzt ist kein Beruf, den man subventionieren muss»

Ein Arzt macht vor, wie eine Berggemeinde zu medizinischer Versorgung kommt. Und er kritisiert Kollegen, die einfach ihre Praxis schliessen.

image

Pflegefachleute verschreiben so sachkundig wie Ärzte

Das dürfte das Pflegepersonal freuen: Es stellt laut einer US-Studie genauso kompetent Arzneimittel-Rezepte aus wie Ärzte.