Apotheken: Mehr Bedeutung, weniger Nachwuchs

Die Zahl der Apotheken in der Schweiz bleibt konstant – der Arbeitsaufwand steigt. Laut der Jahresstatistik von Pharmasuisse nehmen Beratungen zu, während das System personell an Grenzen stösst.

, 9. Oktober 2025 um 06:47
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Bild: Serkan Yildiz / Unsplash
Was die bekannte Ärztestatistik für die FMH ist, sind die «Fakten und Zahlen der Schweizer Apotheken» für den Verband Pharmasuisse: Eine jährliche statistische Bestandesaufnahme, die zugleich tiefergehende Entwicklungen greifbar macht.
Die «Apotheken-Statistik» 2025 ist nun erschienen – und sie deutet an, dass die Branche an einem interessanten Wendepunkt steht. Weil ihre Beratungsangebote niederschwellig sind, wird die Offizin vermehrt zur ersten Anlaufstelle im Gesundheitswesen. Auf der anderen Seite dämpfen Personalmangel, steigender Aufwand und Kostendruck die Entwicklung.
  • Pharmasuisse: «Fakten und Zahlen der Schweizer Apotheken 2025», Oktober 2025.
Laut der Erhebung von Pharmasuisse konnte in den vorherigen 12 Monaten rund ein Drittel der Befragten mindestens einmal dank einer Apothekenberatung auf einen Arztbesuch verzichten. Besonders häufig war dies bei jüngeren Personen der Fall.
Auf der anderen Seite blieb die Grösse der Apothekenteams über die letzten Jahre auf einem ähnlichen Niveau, während der Arbeitsaufwand im gleichen Zeitraum stieg.
Das Durchschnittsalter des Apotheken-Personals liegt bei 50 Jahren, und Teilzeitarbeit ist weit verbreitet. Drei von vier Apothekerinnen und Apothekern sind Frauen.
Mit rund 1’830 Apotheken blieb die Zahl in der Schweiz stabil. Dort arbeiten rund 24’000 Fachpersonen, verteilt auf durchschnittlich 12,7 Mitarbeitende pro Betrieb – das ergibt also etwa neun Vollzeitstellen.
Und es wahrscheinlich scheint, dass sich der Fachkräftemangel eher verschärfen wird. 2024 wurden 192 eidgenössische Pharmaziediplome ausgestellt – deutlich weniger, als künftig benötigt werden.
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