Bürokratie auf der Packung: Heilmittel-Firmen schlagen Alarm

Eine Allianz von Pharmafirmen wendet sich gegen die geplante Pflicht, individuelle Sicherheitsmerkmale auf Medikamentenpackungen zu setzen: Günstige Arzneimittel würden bedroht – obwohl es gar keinen Grund für die ganze Bürokratie gibt.

, 29. August 2025 um 13:03
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Ausschnitt der VIESV-Verordnung: Was alles individuell auf eine Verpackung müsste.
Die Vernehmlassung wurde am Donnerstag abgeschlossen, der Ergebnisbericht liegt noch nicht vor. Doch jetzt schon legen fünf kleinere Medikamentenfirmen nach: In einer neuen «Allianz Bürokratie abbauen – Arzneimittelversorgung sichern» fordern sie den Stopp einer Verordnung, mit der Bundesbern neue Regeln im Gesundheitsbereich einführen möchte.
Die «Verordnung über die individuellen Erkennungsmerkmale und Sicherheitsvorrichtungen auf der Verpackung von Humanarzneimitteln» sieht vor, dass Medikamenten-Packungen individuelle Erkennungsmerkmale haben, mit denen sich die Echtheit überprüfen lässt. Diese Merkmale «sollen die Einführung von Fälschungen und die illegale Vermarktung von Arzneimitteln in der legalen Lieferkette verhindern», argumentiert der Bundesrat.
Für die Pharmafirmen Ceres Heilmittel, Drossapharm, Gebro, Permamed, Simimed und Streuli warnen nun in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ihre Botschaft: Erstens schafft die Verordnung mehr Bürokratie und gefährdet günstige Präparate. Zweitens ist sie überflüssig.
Rund 350 Medikamente seien betroffen, so die Allianz – insbesondere Generika, pflanzliche und komplementärmedizinische Arzneimittel; und insbesondere Heilmittel mit einem Fabrikabgabepreis unter 11 Franken. Diese könnten vom Markt verschwinden und durch teurere Alternativen ersetzt werden.

Wozu braucht es das?

Die Allianz betont zudem, dass es in den offiziellen Vertriebskanälen in der Schweiz bisher keine Arzneimittelfälschungen gebe – der Bundesrat selbst habe dies bestätigt. Juristisch sei die Rechtsgrundlage für die Verordnung ohnehin fraglich, so Walter Stüdeli, Sekretär der Allianz: «Es fehlt die Rechtsgrundlage im Heilmittelgesetz, um ein Obligatorium einzuführen.»
Die Folgen hätten letztlich die Patienten zu tragen. Zwar dürfen die Hersteller die Mehrkosten gemäss Bundesrat nicht auf die Arzneimittelpreise überwälzen. Doch wenn günstige Präparate verschwinden, müssten Patienten auf deutlich teurere Medikamente ausweichen – mit entsprechend höheren Gesundheitskosten.
Die Allianz fordert den Bundesrat deshalb auf, die Pläne zu stoppen und stattdessen die Versorgungssicherheit zu stärken: «Bevor es zu spät ist und die Engpässe weiter zunehmen.»
Vernehmlassung 2025/13

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