Apotheken gegen häusliche Gewalt: Aargau lanciert E-Learning

Die Aargauer Polizei verzeichnet täglich sieben Einsätze wegen häuslicher Gewalt. Ein E-Learning für Apotheken soll helfen, Betroffene zu erkennen und zu unterstützen.

, 9. September 2025 um 10:08
image
Nicht nur sichtbare Verletzungen wie blaue Flecken, sondern oft auch subtile Anzeichen häuslicher Gewalt sollen vom Apothekenpersonal erkannt werden. Bild: Symbolbild/Unsplash
Um Gewaltopfer frühzeitig zu unterstützen, führt der Kanton Aargau ein E-Learning für Apotheken ein. Mitarbeitende sollen lernen, Anzeichen von Partnerschaftsgewalt zu erkennen und Betroffene gezielt an Hilfsangebote weiterzuleiten.
Wie der Kanton Aargau in einer Mitteilung schreibt, registrierte die Polizei im Aargau im vergangenen Jahr 2’588 Einsätze wegen häuslicher Gewalt, im Durchschnitt sieben pro Tag. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Gewaltbetroffene suchen, wie Studien zeigen, überdurchschnittlich häufig medizinische oder pharmazeutische Hilfe auf. Diese findet man auch in Apotheken, wie Hans Jürg Engel, der Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes, sagt: «Gerade für Opfer von häuslicher Gewalt ist es entscheidend, dass sie ein niederschwelliges Angebot vorfinden, was die Apotheken bieten können. Es sind nämlich nicht nur blaue Flecken, sondern oftmals viel subtilere Beschwerden, die das Fachpersonal erkennen und richtig einordnen muss.»
Das E-Learning soll deshalb die Angestellten in den Apotheken für die Problematik sensibilisieren und ihnen das Rüstzeug geben, um Betroffene zu unterstützen, betont Engel.
Der von Pharmasuisse zertifizierte Kurs steht den rund 130 Apotheken im Kanton seit Mai 2025 zur Verfügung. Entwickelt wurde er vom Gleichstellungsbüro und der Kantonsapotheke Waadt; die Fachstelle Häusliche Gewalt des Kantons Aargau passte die Schulung für lokale Gegebenheiten an.
Die Kosten von 110 Franken pro Teilnehmer übernimmt der Kanton. Das E-Learning ist Teil des Massnahmenplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention von 2022.

In der Romandie bereits etabliert

Solche Weiterbildungsangebote gibt es in der Schweiz schon länger: In der lateinischen Schweiz haben die Kantone Waadt, Wallis, Genf, Neuenburg und Tessin Apothekenpersonal bereits sensibilisiert und geschult. Im Juni 2025 zog der Kanton Freiburg nach und bietet nun den Mitarbeitenden der 84 Apotheken des Kantons eine zertifizierende Online-Ausbildung an.
  • apotheken
  • Gewalt
  • aargau
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Für Apotheken wird der Verkauf von Medikamenten der Kategorie B einfacher

Die Apotheken sollen nicht unter der Umteilung der Arzneimittel-Kategorien leiden. Der Bundesrat erleichtert ihnen deshalb die obligatorische Dokumentation.

image

Von der Pflege an die Spital-Spitze

Simone Machado wird Direktorin des Asana Spitals Leuggern.

image

Per App zur Apotheke: Benu testet Expresslieferung mit Just Eat

Schnupfenmittel, Babyfood oder Schwangerschaftstests – ab sofort liefert Just Eat aus den Benu-Apotheken an die Haustür. Mit dem Projekt will die Kette die «Apotheke der Zukunft» greifbarer machen.

image

Apotheken dürfen mehr von ihrer Arbeit verrechnen

Der neue Tarifvertrag für die Apotheken regelt, wie viel die Verblisterung von Medikamenten und die Beratung künftig kosten darf.

image

Galenica testet neues Apothekenkonzept

Die Apothekenkunden informieren sich zunehmend online – die Amavita-Filiale im Glattzentrum reagiert darauf mit speziellen Beratungsräumen, digitalen Tools und halbprivaten Zonen. Das Pilotprojekt soll Erkenntnisse für künftige Filialen liefern.

image

Aargau: Kanton darf verurteiltem Arzt Bewilligung entziehen

Ein Arzt, der wegen sexueller Übergriffe eigentlich schon lange nicht mehr arbeiten dürfte, muss nun aufhören: Das Bundesgericht gab dem Kanton recht.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.