Angespannte Lage der Spitäler spitzt sich zu

Bereits im Jahr vor Corona sank die EBITDAR-Marge der Spitälern.

, 23. November 2020 um 11:33
image
  • spital
  • ebitda
  • pwc
  • politik
Wie viel EBITDAR*-Marge muss ein Spital erwirtschaften, um längerfristig wirtschaftlich gesund zu bleiben. In der Branche hat sich ein Zielwert von zehn Prozent etabliert. Dieser sei realistisch, so das Resultat einer neuen Simulationen von Überschuldungs- und Liquiditätssituation. Die Simulation zeige einen negativen Trend für Spitäler auf, «die in den vergangenen zehn Jahren keine EBITDAR-Marge von 8,0 bis 10,0 Prozent erreichten», schreibt das Wirtschaftsprüfunternehmen PWC in seinem am Montag publizierten Spitalbericht 2019.
Dieser zeigt auch auf, dass sich die Branche im Vorjahr von dieser Zielmarge entfernt hat. Die EBITDAR-Marge fiel im Median gegenüber 2o18  um 0,5 Prozentpunkte. Seit 2015 beträgt der Rückgang somit 1,2 Prozentpunkte. Der Medianwert liegt aktuell mit 7 Prozent klar unter dem Zielwert.
image
| PWC

Zu geringer Gewinn

Der Rückgang der EBITDAR-Marge liege in den überproportionalen Aufwandssteigerungen der letzten Jahre begründet, schreiben die Studienautoren. Dies auch wegen des relativen Abschreibungsanteils, der über die letzten fünf Jahre nach oben tendiere.
Die Reingewinnmargen erhöhten sich gemäss der Studie gegenüber dem Vorjahr leicht. Mit 0,9 Prozent liegen sie zum einen jedoch tiefer als vor fünf Jahren - und sind gemäss der Studienautoren grundsätzlich deutlich zu tief. «Damit die Spitäler schwierige Jahre wie 2020 aus eigener Kraft überstehen können und langfristig Investitionen selbstständig tragen können, brauchen sie wesentlich höhere Reingewinnmargen.» Von den befragten Spitäler schrieb 2019 ein Viertel Verluste.

Weitere Faktoren wichtig

Klar sei auch, dass für die Einschätzung der finanziellen Situation eines Spitals neben der EBITDAR-Marge auch «die individuelle Situation des Spitals eingehender analysiert und Faktoren wie Fallentwicklung, Investitionsbedarf, ausstehende Verschuldung und andere mitberücksichtigt» werden müsse. So trage etwa die Unternehmensgrösse wesentlich zur nachhaltigen finanziellen Situation eines Spitals bei.
* Die EBITDAR-Marge bezeichnet den Gewinn gemessen am Umsatz vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Mieten oder Restrukturierungskosten.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Bundesrat will bei Spitalplanung nicht eingreifen

Der Bund enttäuscht Gesundheitspolitiker: Er will die Spitalplanung weiterhin den Kantonen überlassen. Obwohl es ganz offensichtlich «Optimierungspotenzial» gibt.

image

Kommission bremst Forderung zu tieferen Medikamentenpreisen

Die Forderung des Kantons Jura nach wirksamen Instrumenten gegen steigende Medikamentenpreise droht zu scheitern.

image

Prioswiss gegen neue Basler Spitallisten: «Falscher Ansatz»

Die Basler Regierungsräte Lukas Engelberger und Thomi Jourdan wollen nur noch «koordinierte» Spitallisten einführen. Krankenkassen und Spitäler warnen vor eingeschränkter Wahlfreiheit und steigenden Kosten.

image

Bundesrat: Kein automatischer Teuerungsausgleich für Spitäler

Der Bundesrat hält einen automatischen Teuerungsausgleich für Spitaltarife für «nicht sachgerecht». H+ warnt vor Unterfinanzierung.

image

Jetzt definitiv: Sparhammer im Waadtländer Gesundheitswesen

Nach einer mehrstündigen Debatte beschloss das Kantonsparlament in Lausanne, dass Regionalspitäler, Gesundheitszentren, Pflegeheimen und Angehörigenpflege zu sparen.

image

Luzerner Regierung stimmt Sterbehilfe-Vorstoss zu

In Luzern soll assistiertes Sterben künftig in allen Pflege- und Sozialeinrichtungen möglich sein – ausgenommen sind Spitäler.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.