Männer gehen weniger zum Arzt als Frauen. Und Männer machen nur halb so oft Therapien wie Frauen. Sie haben aber auch häufiger Krebs und einen ungesünderen Lebensstil. Und sie sterben sechs bis sieben Jahre früher als Frauen.
Männer sollten sich vor einen Arztbesuch nicht zieren, findet die Angiologin Manuela Birrer. Zusammen mit dem Urologen Daniel Disteldorf und dem Endokrinologen Michael Egloff ist sie am Kantonsspital Baden (KSB) zuständig für eine neue, speziell an Männer angepasste Untersuchung und Behandlung: Die Männersprechstunde.
Männer sterben nicht genetisch bedingt früher
«Typische Männerbeschwerden und frühere Männersterblichkeit sind nicht – wie oft fälschlicherweise behauptet wird – in den männlichen Genen angelegt oder auf ein Übermass an Testosteron zurückzuführen», sagt der Urologe Daniel Disteldorf gemäss einer Medienmitteilung des KSB.
Männer sterben aus anderen Gründen früher als Frauen: Etwa, weil sie ungesünder leben, mehr Risiken eingehen und weniger wahrhaben, dass sie möglichweiser krank sind. Das ist laut Disteldorf spätestens seit den sogenannten «Klosterstudien» erwiesen. Sie dokumentieren, dass Nonnen und Mönche praktisch gleich alt werden – aufgrund ihres ausgeglichenen, meditativen und massvollen Lebensstils.
Die typischen Männer-Risiken: Zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat letztes Jahr festgestellt, dass die Gesundheit von Männern gefördert werden müsse. Vor allem falsche Ernährung, zu wenig Bewegung sowie Nikotin und Alkohol sind Risikofaktoren für viele Krankheiten des Mannes.
Spezielle «Männermedizin» ist zwar selten, aber nicht neu. So betreibt der Arzt Marco Caimi in Basel seit Jahren eine Männerpraxis. Er ist der Meinung, dass Männer medizinisch marginalisiert würden, gebe es doch nicht einmal einen Facharzt Männermedizin FMH.
Männer schämen sich, schwach zu sein
Männer würden nicht über ihr Innerstes sprechen, stellt Caimi fest. «Männer schämen sich ihrer Verunsicherung, ihrer Misserfolge, Schwächen, Enttäuschungen, Ängste, Potenzstörungen und teilweise sogar Schmerzen, weil sie sich dadurch schwach und verletzlich zeigen würden», bringt Caimi die grosse Schwäche der Männer auf den Punkt.