Auch die Waadtländer Spitäler setzen auf Epic

Es war kaum anders zu erwarten: Das Universitätsspital Lausanne und elf regionale Kliniken übernehmen das amerikanische Klinikinformationssystem Epic.

, 20. November 2025 um 13:28
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Unispital Lausanne CHUV Bild: Medinside
Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) hat entschieden: Das zukünftige klinische Informationssystem soll vom US-Anbieter Epic kommen.
Die Ankündigung vom Donnerstag folgt nur wenige Wochen, nachdem das Bundesgericht die Beschwerden der Genfer Firma Kheops Technologies endgültig abwies und damit einem viel diskutierten Rechtsstreit ein Ende setzte.
Die im September 2024 gestartete Beschaffung zielt darauf ab, das CHUV und elf regionale Spitäler mit einem einzigen klinischen System auszustatten, welches die bestehenden Lösungen schrittweise ersetzen soll.

Etwa 100 Millionen

Die Kosten für das ausgewählte Angebot belaufen sich auf etwas über 89 Millionen Franken; hinzu kommt eine jährliche Wartung von rund 10 Millionen, die je nach Nutzung der angebotenen Dienste berechnet wird.
Laut Angaben des CHUV soll das Projekt nach Vertragsunterzeichnung über zwei bis drei Jahre umgesetzt werden. Das Spital weist jedoch darauf hin, dass die Vergabe weiterhin von der Bewilligung des benötigten Budgets abhängig ist.

Bewertung von Experten und Mitarbeitern

Nach Angaben des CHUV waren an der Evaluation «mehr als 150 Fachexperten» beteiligt, und über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten die in Frage kommenden Lösungen anhand von Video-Anwendungsfällen kennenlernen und dazu Rückmeldungen geben.
Danach kam die Institution zu dem Schluss, dass die Epic-Software «am ehesten in der Lage ist, eine durchgängige Kontinuität der Informationen während der gesamten Patientenreise zu gewährleisten – sowohl innerhalb einzelner Einrichtungen als auch zwischen ihnen». Das CHUV betont zudem, dass die Patientendaten «ausschliesslich in der Schweiz gehostet» werden.

Noch offene Fragen

Trotz der Entscheidung bleiben einige Punkte umstritten. Die Wahl eines US-amerikanischen Anbieters, der bereits in mehreren Schweizer Spitälern im Einsatz ist, wirft erneut Fragen zur nationalen Souveränität auf.
Zudem ist unklar, ob ein derart komplexes und kostspieliges System für regionale Einrichtungen mit deutlich geringeren Anforderungen wirklich sinnvoll ist. Kritiker bemängeln zudem, dass die Einarbeitung in Epic viel Zeit in Anspruch nimmt.

Luzern, Zürich, Bern...

Seit 2019 ist das Klinikinformationssystem Epic am Luzerner Kantonsspital (LUKS) im Einsatz. Sowohl das LUKS als auch die Insel Gruppe gehörten zu den ersten Schweizer Spitälern, die Epic anschafften und implementierten.
Auch das Universitätsspital Zürich (USZ) entschied sich vergangenen Sommer für den Anbieter aus Wisconsin. 2023 entschied sich das Kispi Zürich in einer Submission für das neue IT-System von Epic. Die Einführung wurde noch nicht beauftragt.
Die Anschaffungen sind kostspielig: Das LUKS veranschlagte 66 Millionen Franken für Epic, die Insel Gruppe 80 Millionen Franken. Für das USZ beträgt die Vergabesumme 94,8 Millionen Franken für einen Zeitraum von zehn Jahren.
  • Epic ist eine führende Anbieterin von Klinik- und Laborinformationssystemen. Über 2’000 Gesundheitseinrichtungen weltweit nutzen die Software von Epic, darunter Universitätsspitäler wie die Mayo Clinic (USA) und das Toronto General – University Health Network (Kanada).
  • In der Schweiz nutzen bereits das Luzerner Kantonsspital und die Insel Gruppe die Software. Am Kinderspital Zürich ist die Einführung in Planung.
  • Das USZ und das Kinderspital Zürich beabsichtigen im Zusammenhang mit der KIS-Beschaffung, enger zusammenzuarbeiten und gemeinsame Synergien zu nutzen.

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