Bern: Parlamentarier fordern weitere Untersuchungen zu Epic

Weil der Regierungsrat zu Kosten und Risiken kaum Transparenz zeigt, verlangen mehrere Parteien jetzt eine parlamentarische Untersuchung.

, 8. Dezember 2025 um 07:38
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Bern. Bild: Unsplash
Im Berner Grossen Rat wächst der Unmut über die Informationspolitik der Regierung zur Einführung des Klinikinformationssystems Epic. Nachdem der Regierungsrat einen ersten überparteilichen Vorstoss «nur unvollständig und oft ausweichend» beantwortet habe, wie GLP-Grossrat Casimir von Arx betont, verlangen Parlamentarier nun eine parlamentarische Untersuchung.
Die entsprechende Motion wurde überparteilich und als dringlich eingereicht; sie soll bereits in der Frühlingssession behandelt werden.
Im Zentrum steht die Kostenfrage: Offiziell lagen die Einführungskosten zunächst bei 83 Millionen Franken, später war in einer Interpellation von rund 100 Millionen die Rede – ohne den internen Personalaufwand.
Für Casimir von Arx ist klar, dass die bisherigen Angaben nicht ausreichen. «Es sind bereits unerwähnte Millionenkosten zum Vorschein gekommen. Ob noch mehr kommt, wird die Untersuchung zeigen», sagte er gegenüber dem «Bärner Bär».

Unkritische Haltung

Von Arx kritisiert, dass der Regierungsrat die Fragen der ersten Interpellation «nur unvollständig und oft ausweichend» beantwortet habe. Die Regierung nehme gegenüber Epic eine «völlig unkritische Haltung» ein. Das wecke den Eindruck, sie habe sich nicht mit der notwendigen Tiefe mit dem System befasst und sich womöglich früh auf Epic festgelegt.
Damit sei Transparenz nötig: Die Motion verlangt, dass die Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Einführung detailliert untersucht und bei Bedarf die Finanzkontrolle beizieht. Diese könnte auch Einsicht in Verträge mit Epic verlangen.

Schweizweite Diskussion

Die Debatte rund um Epic betrifft längst nicht nur den Kanton Bern. Auch im Kanton Zürich sorgt die Entscheidung des Universitätsspitals Zürich (USZ) für Epic für Kritik. 77 Kantonsräte reichten eine Interpellation ein und stellten Fragen zu Datenschutz, Risiken, Kostensicherheit und Erfahrungen aus Bern. Sie verwiesen dabei explizit auf angebliche Budgetüberschreitungen beim Inselspital.
Doch Insel-Verwaltungsratspräsident Bernhard Pulver widersprach öffentlich: Die Einführung sei «zeitgerecht, ohne relevante Pannen» erfolgt, und es habe keine Kostenüberschreitungen gegeben. Hinter den Gerüchten vermutet er konkurrierende Anbieter – zumal der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg auf eine kantonsweite Vereinheitlichung mit Epic drängt.

Epic setzt sich schweizweit durch

Epic ist längst eines der meistdiskutierten, aber auch weit verbreiteten Klinikinformationssysteme der Schweiz:
  • Luzerner Kantonsspital (LUKS): seit 2019 in Betrieb, Kosten 66 Mio.
  • Insel Gruppe Bern: Einführungskosten offiziell rund 80 Mio.
  • Kispi Zürich: Erteilte 2023 den Zuschlag für einen Gesamtbetrag bis 51 Millionen Franken, verzichtete dann aber in einem späteren Entscheid auf die Einführung.
  • Universitätsspital Zürich (USZ): Vergabesumme 94,8 Mio. für zehn Jahre.
  • Universitätsspital Lausanne (CHUV): Entscheid für Epic nach einem juristischen Streit; System soll CHUV und elf regionale Häuser einheitlich ausstatten.
Befürworter von Epic betonen die Vereinheitlichung und Effizienzgewinne. Kritiker warnen vor hohen Kosten, fehlender Transparenz – und vor einer möglichen Abhängigkeit von einem US-Anbieter.

Wie geht es in Bern weiter?

Ob es bei den bisher bekannten Kosten bleibt, soll nun die GPK klären. Für die Initianten steht fest: Erst wenn alle versteckten Posten und Risiken offengelegt sind, kann der Kanton Bern verantwortungsvoll entscheiden, ob Epic tatsächlich in allen Spitälern eingeführt werden soll.
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