KSBL: Ärzteverbände kritisieren neues Hausspital-Modell

Ärzteorganisationen wie Medix Nordwest und die Ärztegesellschaft Baselland warnen, dass das Modell Interessenkonflikte birgt, da KSBL-Ärzte künftig über Patientenüberweisungen entscheiden.

, 16. September 2025 um 12:52
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Im Hausspital-Modell werden Patientinnen und Patienten vom Hausarzt ausschliesslich ans Kantonsspital Baselland überwiesen. Bild: KSBL
Letzte Woche präsentierten das Kantonsspital Baselland (KSBL) und die Krankenkasse Assura ein in der Schweiz bislang einzigartiges Versicherungsmodell: Das sogenannte Hausspital-Modell. Ab 2026 soll dieses in den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt sowie angrenzenden Regionen von Solothurn und Aargau verfügbar sein.
Versicherte, die sich für dieses Modell entscheiden, lassen sich von Hausärzten ausschliesslich ans KSBL überweisen. Im Gegenzug profitieren sie von reduzierten Prämien.
Kaum vorgestellt, sorgt das Modell bereits für Kontroversen. Wie die «Basler Zeitung (BaZ)» berichtet, werfen das Ärztenetzwerk Medix Nordwest, die Kinder- und Hausärztinnen beider Basel sowie die Ärztegesellschaft Baselland dem KSBL und der Assura vor, wirtschaftliche Interessen vor das Patientenwohl zu stellen.

Klare Rollenverteilung gefordert

Die Kritik: Künftig sollen KSBL-Ärzte entscheiden, ob Patienten an externe Spezialisten oder Universitätsspitäler überwiesen werden. Die Verbände sehen darin eine «fundamentale Infragestellung» der bewährten Arbeit der Hausärzte und betonen, dass ein Spital keine «unparteiische Beratung» leisten könne, wenn es gleichzeitig eigene wirtschaftliche Interessen verfolge.
Philipp Tschopp von Medix Nordwest fordert daher eine klare Rollenverteilung: «Hausärzte koordinieren, Spitäler behandeln.» Zudem wird das Modell als Angriff auf ambulant tätige Spezialisten in freier Praxis verstanden.
Das KSBL weist die Vorwürfe zurück: Die zentrale Rolle der Hausärzte bleibe unverändert, und das Wohl der Patienten stehe im Vordergrund.
Auch politisch ist das Thema angekommen: SP-Nationalrätin Sarah Wyss will die Kooperation zwischen Spital und Krankenkasse im Parlament prüfen.

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