Kleiner Trick mit Wirkung: Der Kopf-Kleber im Operationssaal

Wer im OP mitarbeitet, trägt einen bunten Kleber auf der Haube – mit Vorname und Hinweis zur Berufsgruppe. Eine deutsche Universitätsklinik schafft so mehr Klarheit und Teamgeist bei Operationen.

, 7. März 2025 um 04:00
letzte Aktualisierung: 28. Januar 2026 um 07:57
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Bilder: Screenshot Youtube
Wer bei einer Operation mitmacht, bekommt einen Kleber auf den Kopf: Dieses Prinzip gilt nun im Universitätsklinikum Münster in Deutschland. Damit alle Beteiligten im hektischen OP-Umfeld mehr Klarheit und Übersicht haben, tragen sie auf der OP-Haube einen Kleber, der durch die Farbe zeigt, welcher Berufsgruppe jemand angehört – und der durch die Form den Ausbildungsstatus signalisiert. Vor allem wird der Name darauf notiert.
Das Universitätsklinikum Münster startete und testete das Verfahren unter dem Namen «Power of the First Name» zuerst in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Jetzt wird es auf alle OP-Bereiche ausgeweitet.
Ein Hauptziel der personalisierten Schilder ist es, die direkte Ansprache zu erleichtern und damit die Teamarbeit wie auch die Sicherheit im OP zu fördern. «Durch die Namensschilder kann ich die am chirurgischen Eingriff beteiligten Kolleginnen und Kollegen mit Namen ansprechen, selbst wenn sie durch Bereichsrotationen nur selten hier sind, und die jeweilige Aufgabe des Benannten besser zuordnen», kommentiert Melanie Damme, Bereichsleiterin des chirurgischen OPs das Verfahren.
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Entstanden ist die Idee in der roboterassistierten Chirurgie des Universitätsklinikums, und das hat Gründe: «Wir stecken quasi mit dem Kopf in der Konsole fest, nehmen den Raum nicht so richtig gut wahr, und dann ist es enorm wichtig, dass man die Menschen gut ansprechen kann», sagt Bereichsleiter Jens Hölzen. «Wir haben ein ähnliches Projekt bei unseren Kooperationspartnern in den Niederlanden gesehen und fanden es so gut, dass wir es einfach übernommen haben.»
Inzwischen interessieren sich auch weitere Kliniken in Deutschland für das Namensprojekt, teilt das UKM mit.
Denn die Idee hat offenbar noch eine Nebenwirkung: Weil es auf den Klebern keine Titel gibt, würden durch die direkte Ansprache auch Hierarchien abgebaut.
  • Zum Thema: In England kommt das Spitalpersonal in 27 verschiedenen Tönen. Ein ausgeklügeltes Bekleidungs-System soll den Patienten die Orientierung erleichtern – und beim Sparen helfen.


  • arbeitswelt
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