FMH-Delegierte stellen sich erneut hinter das Tarifpaket – Referendum vom Tisch

Doch der Dachverband der Ärzte stellt zugleich klar, dass die vorliegenden ambulanten Pauschalen «unverzüglich» wieder überarbeitet werden müssen.

, 1. November 2024 um 08:41
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Benötigt dringend neues Tarifsystem: Kinderärztin – in einem Imagefilm der FMH (Screenshot).
Die FMH-Delegierten haben am Donnerstag nochmals über das Tarif-Gesamtpaket beraten und ihre Unterstützung bekräftigt. Bereits letzte Woche hatten die Delegierten dem Paket und der Begleitvereinbarung zugestimmt. Doch in der Folge ergriffen sieben Fachgesellschaften das verbandsinterne Referendum. Zugleich brachten die drei sprachregionalen Dachverbände VEDAG, SMSR und OMCT einen Rückkommens-Antrag ein.
Deshalb prüfte die Delegiertenversammlung der FMH ihren Beschluss jetzt erneut – und bekräftigte ihn – durch einen Dringlichkeitsbeschluss, der das Referendum wiederum hinfällig macht.
«Nach intensiven Diskussionen beschlossen die FMH-Delegierten dafür die Dringlichkeit», teilt die Ärztegesellschaft zudem mit. Damit kann FMH zusammen mit den Kassen und Spitälern im Rahmen der Tarif-Organisation OAAT das neue ambulante Tarif­system beim Bundesrat zur Bewilligung einreichen.
«Mit dem Entscheid bekennt sich die FMH klar zur Tarifpartnerschaft», kommentiert die FMH den Delegierten-Beschluss.

Lieber rasch als perfekt

Hinter dem Referendum standen
  • die Schweizerische Gesellschaft für Oto-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie,
  • die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie,
  • die Schweizerische Gesellschaft für Nuklearmedizin,
  • die Schweizerische Gesellschaft für Handchirurgie,
  • die Schweizerische Gesellschaft für Pathologie,
  • die Schweizeri­sche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
  • die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie.
Im Vorfeld hatten Spezialärzte aus mehreren Feldern Forderungen eingebracht, die dann aber nach ihrer Einschätzung zu wenig berücksichtigt wurden. Am Ende seien die ambulanten Pauschalen im Entwurf oft praxisuntauglich – und sie basierten teils auf fehlerhaften Daten.
«Die vorliegenden ambulanten Pauschalen müssen unverzüglich überarbeitet werden», attestiert der FMH in seiner Mitteilung vom Freitag: «Die seit längerem bekannten Mängel sind von den Fachgesellschaften und der FMH gut dokumentiert und mehrfach kommuniziert worden.»
Doch das jetzige Vorgehen ermögliche es, einerseits das Paket pünktlich einzureichen – und dann die strittigen Pauschalen unter Einbezug der Fachgesellschaften zu überarbeiten.
Denn auf der anderen Seite wären viele Mediziner dringend auf eine Ablösung des Tarmed angewiesen – insbesondere die Kinder- und Hausärztinnen und -ärzte sowie die Psychiaterinnen und Psychiater.

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