Berner Suchtklinik: Mit neuem Programm wesentlich weniger Abbrüche

Die Klinik Südhang senkt die Zahl der Therapie-Aussteiger und die Dauer der Aufenthalte. Auch für die Behandlungs-Teams ist das Programm attraktiver.

, 29. Januar 2025 um 14:02
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Die Klinik Südhang im bernischen Kirchlindach. | PD
Die Klinik Südhang hat Anfang 2023 ein neues Behandlungsprogramm eingeführt. Eine Bilanz der Klinik zeigt, dass das Behandlungsprogramm «Mensch und Sucht» deutlich besser wirkt als die bisherigen Behandlungen.
Das neue Programm umfasst 80 modular aufgebauten Therapieangeboten, die in zehn Themenbereiche gegliedert sind und die individuellen Bedürfnisse der Patienten ins Zentrum stellen.
Die Patienten wählen gemeinsam mit den zuständigen Therapeuten die für sie passenden Module aus und definieren persönliche Therapieziele.
Die Behandlung kann stationär, tagesklinisch und teilweise auch ambulant stattfinden. «Dies verkürzt stationäre Aufenthalte, steigert die Behandlungseffizienz und erleichtert den Übergang in den Alltag nach der Therapie», stellen die Verantwortlichen fest.
Geschätzt werde auch die Kontinuität in der therapeutischen Begleitung durch dasselbe interprofessionelle Team.
Die ersten Daten zur Wirkungsmessung zeigen:
Tiefere Abbruchrate: Die Abbruchrate sank um 39 Prozent seit Einführung des Programms.
Mehr behandelte Patienten: Die Zahl der stationären Behandlungen stieg um 20 Prozent (592 Behandlungen 2023, Vorjahr: 494), jene der tagesklinischen Behandlungen sogar um 48 Prozent (139 Behandlungen 2023, Vorjahr: 94).
Kürzere Aufenthaltsdauer: Effizientere Nutzung der Kapazitäten durch flexiblere Planungen.
Mehr Lebensqualität: Die Patienten geben bei den Befragungeneine spürbare Verbesserung ihrer Lebensqualität zwischen Eintritt und Austritt und auch danach an.
Signifikante Symptomreduktion: Messungen zeigten deutliche Verbesserungen bei Symptomen wie Ängstlichkeit, Aggressivität und Zwanghaftigkeit.
Attraktiver fürs Personal: Das Behandlungsprogramm bietet für die beteiligten Ärzte, Psychologinnen, Fachtherapeuten, Pflegefachpersonen und Sozialarbeiterinnen attraktive Aufgabenbereiche, wo sie Verantwortung übernehmen und an der fachlichen Weiterentwicklung mitwirken können.
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